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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

Iichkeit an sich, und wenn auch weniger beim Volke, als gerade beimAde], tief erschüttert, gelockert worden, so dass auch sie nicht mehr dieKraft besass sich ferner, mit Abweisung der auf sie eindringenden Ein-flüsse, aus sich heraus fortzugestalten. Schon früher, durch Heinrich von Valois (1574) und unter Sigismund III. (seit 1586) mit westländischerWeise näher bekannt, und diese damals, wenngleich nur vom Hofe vor-übergehend aufgenommen, fand nun sie abermals, obschon vorerst auchwiederum nur am Hofe, jedoch von dort um so schnellere Verbreitung,als den (1696) erledigten Thron jetzt August II., Kurfürst von Sachsen{bis 1733) erbte und wohl zu behaupten wusste. Sein Aufwand, sowiedie durch solche Wahl nach hier übertragene ausheimische Lebensform,fand alsbald auch bei dem minder begüterten Adel und, befördert durchden ständigen Aufenthalt .der verwöhnten sächsischen Truppen, auch bei

den mittleren Ständen nur zu eifrige Nachahmung, so dass denn dies,wie einerseits zu einer noch schärferen Trennung der besitzenden Ständevom niederen Volke, andrerseits auch wesentlich zur Beschleunigung desVerfalls beitrug.

Ungarn , in fortgesetzt engstem, bald kriegerischem bald friedliche« 1Verkehr mit Siebenbürgen und der Pforte, vor allem bedacht seineSelbstständigkeit zu wahren, sowohl unter Matthias II . (1612 1619),Ferdinand II. (bis 1637), als auch selbst noch unter Ferdinand iH'(bis 1657) in Folge der Führung Betlilen Gabors (bis 1629) und seinesNachfolgers Georg Ragoczi (bis 1648) gegen Oesterreich im UebergewicbEblieb so, zumal bei der dem Volke ureignen Orientalität, einem Einfluss 0namentlich von Deutscher Seite erst recht verschlossen. Die Umtriebeder Jesuiten , die durch sie seit Ferdinand 11. immer heftigeren Bedi«ckungen der Nichtkatholiken, sowie die damit dauernd verknüpften Enruhen, trugen ausserdem dazu bei den schon kräftigen Widerstand g egen etwaige Neuerungen zu äusserster Hartnäckigkeit zn verschärfe«-So setzte sich denn auch gleich der Gewalt, mit welcher nun Leopold(seit 1658) sein Ziel zu erreichen strebte, die höchst gespannte Gew«entgegen. Schon in dem (1660) wieder anhebenden Kriege der Tink 011zunächst um den Thron von Siebenbürgen , noch mehr aber in de« |' eligionsunruhen und den wachsenden Streitigkeiten wegen der deutsc ^Besatzung des Landes, die Leopold wiederum entfernen musste, zeigtewie hier der Boden für Oestreich ungemein schwankend war.Wiedereinfall und die Fortschritte des türkischen Heers unter KinP e(1663) Hessen ihn von seinem Vorhaben nur auf kurze Zeit abs eDer Kaiser verfolgte seinen Plan, und da es ihm, zufolge Verraths,lang, die Verbindung des Bans von Kroatien zur AufrechthaltungFreiheiten Ungarns (1671) durch Verweisung und Hinrichtung dei 'uehmsten Häupter aufzulösen, glaubte er um so sicherer und schonu«