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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
besondere seine Vorliebe für die Künste und Wissenschaften, und seineGründung von Erziehungsanstalten, wie einerseits zur Erweiterung UI1Läuterung der Anschauungen, so anderseits nicht weniger zur Steigerung der Bedürfnisse bei, wenngleich auch noch immer nicht stark genugum gerade die Volkstümlichkeit als solche, vornämlich in ihrer Lebensgewöhnung, ihrem eigenthümlichen Gebühren, zu einer Wandlungstimmen zu können. Dies anzubahnen, bedurfte es bei einem so m'Vollbegriff der Untertänigkeit stehenden Volke eines festen Herrscherwillens, einer Kraft, wie nun allerdings Peter I. mitbrachte. Abei ausolche Kraft will reifen, doch fehlte es dazu auch eben jetzt weder aZeit noch Gelegenheit. Und wie er sie einestheils an dem Streben s elner ehrgeizigen Halbschwester Sophie , sich im Namen ihres unfähige 11Bruders Ivan des Thrones zu bemächtigen (1682 bis 1689), im Gegenspiel wohl zu üben vermochte, boten sich ihm anderntheils, neben Schäif* 111 #seines geistigen Blicks, nicht allein die beginnenden gesandtschaftlidm®Verbindungen mit den entfernteren westlichen Reichen, mit Franklseit 1687, vielmehr auch die Anregungen, die ihm vor allem durchGenfer Lefort wurden, zu dem Plane einer durchgreifenden Umformui'oin europäischem Sinne dar. Jedoch auch dies liess sich nicht überstüiz en 'ja überhaupt nicht eher ergreifen, bis dass er durch das Ableben lv(1696) selbständig freie Hand gewann. Indessen, wie unge 1 ®®^eifrig er danach auch sein grosses Ziel verfolgte, und vor allem umBesitz der Ostsee im Kampfe mit Karl XII. von Schweden seine. Km^aufbot, ging es damit nur äusserst langsam, ja fand gleich im mg echen Volke an seiner Sprache und Religion nicht zu bewältige®Widerstand. So auch beschränkte sich, was er zuvörderst inRichtung irgend erreichte, auf seine nächste Umgebung und seinwelches er, an Stelle der Strelitzen, nach europäischem Vorbilde i° rauch überdies nur auf den äusseren Schein. — .. ^
Wie in der Türkei sich die Dinge vollzogen, ward jeder vvesthmsehe Einfluss nach hier nicht nur völlig abgeschnitten, sondern al 'insoweit solcher bestand, nahezu aufgehoben. Die SaftlosighedHerrscher, welche nach Soliman II. (gest. 1566) bis zur £rheMurad’s IV. (1623—1640) folgten, ihr zumeist wüstes, entnervendes ^railleben, gepaart mit Trägheit und Grausamkeit, sowie die daunterhaltenen Uebergriffe der Janitscharen, und blutigen EmpörungenStadthalter, dies führte, die kaum erwachsenen Keime höherer Ges)erstickend, zu einer asiatischen Verwilderung, die zu jedem Eim 1von Westen her unfähig machte. Allerdings würde wohl eine ^ ia ..„enMurad IV. , der es vermochte das Reich abermals zu einemGanzen zusammenzufassen, auch nach der Seite hin • wohltbätig ^wirken können, wenn dies ihm überhaupt als zweckdienlich ersc >