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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

Imit festhielt, wenn gleichwohl nunmehr der Aufwand an sich, mindestensim Bürgerthum und beim niederen Adelsstand, schon mehr einem blos-sen Scheinprunke wich. Dies aber beruhte ganz unabhängig von derai-tigen Bestimmungen auf der nicht mehr zu hemmenden, stets tiefergreifenden Verarmung. Wohl blieb man, wie denn jetzt insbesondere n'ährend der Kegierung Karls II. (16651700) dauernd bemüht, der Ver-kommenheit auch des einheimischen Betriebs durch ähnliche Gesetzeentgegen zu wirken, doch auch eben, wie die Dinge lagen, ohne irgenwas zu erreichen. Was aber sollte und konnte es demgegenüber aUCnoch nützen, wenn nun der König, wie unter anderem im Jahveden Gebrauch aller Seidenzeuge frei gab, falls sie im Lande und schen Ländern oder Provinzen gefertigt wären, mit welchen man linHandelsverkehre stehe. Im Lande selbst waren die Werkstätten schonseit lange so gut wie erstorben, und musste man somit ja ohnedies mcnur was man an Seidenstoffen, sondern auch was man an sonstigen)neren Stoffen u. dergl. bedurfte, aus der Fremde herüber nehmen.

Aber begünstigt durch diesen Umstand kamen fortan, auch mitfördert durch die sich unter Ludwig XIV. enger knüpfenden Beziehungenzu Frankreich , die daselbst nun fortherrscbenden Formen, wenn animmer nur theilweis und langsam, schon mehrseitig in Aufnahme,niger beim männlichen Geschlechte, das sich nur sehr schwer dazu verstand, seine straffe und gespannt wulstige Kleidung gegen jene zu J eltauschen, ja solche auch mindestens in ihren Haupttheilen, der kugeligOberschenkelhose, der auswattirten (oder später, vereinzelt, enger 3,1sehliessenden) Kniehose, sammt dem engen knappschössigen Waund vor allem der steifen Halskrause, nahezu bis gegen den Schluss ^Jahrhunderts fortsetzte. Auch die in Frankreich auftauchende,

Alles beherrschende lange Perrücke (s. unten) fand, zumal im >* ^Spruch mit der hohen, gesteiften Halskrause, verhältnissmässig erstspät, und auch dann noch einstweilen nur bei einzelnen derVornehoder bei Stutzern gelegentlich Verwendung. Nicht viel eher sC ^man sich, doch auch vorerst nur in den vornehmeren Kreisen, denzösischen Formen enger an, bis dass diese durch den UmschlagLudwigs XIV. seit dem Beginn der achtziger Jahre selber wiederumGepräge von Strenge und Steifheit erhalten hatten (s. u.). f 111 graber hielt man auch da noch an der gewohnten Kleidung fest, J ain solchem Umfange und mit solcher Zähigkeit, dass noch P/iif*?! 7(seit 1700) es sich zur Aufgabe machen konnte und auch,Staatsrücksichten, ernstlich durchzuführen suchtedie alte Landzu verändern. /

Nicht ganz so verhielt es sich mit den Weibern, wenigst cnS

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höheren Stände. Sie, die von den herkömmlichen Formen bereits, ^