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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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985
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Männer (16001650). 935

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zu frühzeitig geschwächt oder gar aufgehoben wurde. Der Mangel musste«setzt werden. 1 Und darf man der Nachricht aus einem Briefe des ita-lienischen Dichters Maricmo, aus Paris um 1615, trauen, so trugen da-selbst bereits die Männerauf dem Kopfe einen falschen aus Haarennachgemachten Kopf, unter der Benennung Perriicke. BesondereVerdienste um Verbesserung dieser Art von Haaraufsätzen erwarb sich00 Ervais aus Paris , welcher es vor allem verstand ihnen zugleichdnrch die Erlindung das Haar zwischen Seidenfäden einzuschlagen, diegewünschten Gestalten zu geben. Um 1620 prunkte zuerst der Abbe deh* Riviere in einer so gefertigten Perriicke, bestellend aus einem seidenenNetz mit dicht darin eingenähten Haaren von sehr natürlichem Fall undFluss. Nur um wenige Jahre später, seit 1624, bediente sich solcherauch der König, wegen Verminderung des eigenen Haars, was dennWi ederum zur Folge hatte, dass sich zunächst die Hofleute und, etwaSe 't der Mitte der dreissiger Jahre, auch die übrige stutzerhafte Weltd' e Perriicke, eben bloss als ein Modestück aneigneten. Demgegenübercr fuhr die Barttracht keinen eigentlichen Wechsel. Man bewahrte imAllgemeinen den schmalen Lippen- und zierlichen Kinnbart, höchstensass m an den Schnurrbart noch entschiedener nach oben bog, bis in denaginn der vierziger Jahre, voll da an es vorwiegend üblich ward daslnn bartlos zu belassen, ausgenommen einige Doktoren, Iicchtsgelehrte,eistliche und ältere Männer, die überhaupt, gewohnheitsmiissig denollbart dauernd unterhielten. Eine solche Ausnahme machten unterndercn Pierre Camus, Bischof zu Bellai (gest. 1652), der Premier-'csklent 3Tolk (gest. 1656) und der ehrwürdige Herzog von Sullyfgest. 1641). Als Sully einmal von Ludwig XIII . zu einer Berathungan den IJof gezogen wurde und bemerkte, dass sich die jungen aufge-setzten Hofleute über seine altfränkische Erscheinung, sowie auch über®® ] öen Bart belustigten, sagte er ölfentlich zum König:Sir, wenn ihrater, glorreichen Andenkens, mir die Ehre erwies, mich über wichtigeGelegenheiten zu Ratlie zu ziehen, war das erste, was er that, dasser fihen Narren und Windbeuteln (tous les bouffons et tous les sautc.urs)es Hofs befahl, sich zu entfernen.

Mitbestimmt von der Anordnung des Haars wurde der Halskragen

Ver andert. Die rundwulstige Aufkräuselung ä Venfant, welche vom

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p Vei-gl- bes. F. Nicol ai. Ueber den Gebrauch der falschen Haare und180 ^en in alten und neuern Zeiten. Mit 66 Kupfern. Berlin und Stettin ,des r< ^ ^ d i dazu: H. Hauff. Moden und Trachten. Fragmente zur Geschichteet , tosf üm 8 . Stuttgart 1840. S. : 35 ff.; bes. S. 261 ff. A. Hebais. Les ModessituT P arures c hez les Francais etc. Paris 1857. S. 89 ff.: (Histoire des vicis-den* 6 i.^F rouv ^ es en France par les cheveux et la barbe). J. Falke. Die«ehe Trachten- und Modewelt. II. S. 223 ff.