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III. Das Kostüm des 17.-Jahrhunderts.
fast stets vom Rock verdeckt. Statt der auch schon unter Heinrich IV. seltner benützten hohen „ patins “ (S. 590) pflegte man, lim schlankerzu erscheinen, bereits unter ihm, und seit seinem Tode in steigenderVerallgemeinerung nicht mehr einzig die Hacken und Spitzen, vielmehrdie Socken oder die Sohlen vollständig um drei bis vier Zoll zu ' er 'stärken. Die Ueberschuhe, dazu bestimmt bei schlechtem Wettergetragen zu werden, glichen den männlichen Ueberscbuhen (S. 991)-
Von Mänteln oder mantelartigen Umhängen als gewöhnlicher'Schutzkleidung machten fast nur noch die mittleren Klassen gelegenthc 1Gebrauch, daher die Gestaltung des einfachen, ermellosen Kücken mante »mit unterschiedlich breitem Ueberfallkragen bewahrend. — Mit deneigentlichen Unterkleidern, den Kniehosen und Strümpfen, s0 " ,emit der Art ihrer Befestigung durch Bänder u. s. w., blieb es im Wesentliehen beim Alten (S. 595).
Wie bei den Männern verhielt es sich mit der Verwendung vonSpitzen, Bändern, Schleifen und sogenannten „faveurs“ (S. 9° *’Den zumeist rosettenförmig gebundenen Schleifen beliebte man, ' 01nämlich in ihrer Eigenschaft als faveurs, je nach dem Grade ihi ßlSchätzung und sonst beigelegter Bedeutung besondere Namen und bestimmte Plätze zu geben. So trug man den „mignon“ auf dem Herzen»den „ assassin“ („meuchlings Tödtenden“) am Halse, den »badin(„Schäker“) unten am Leibchen, und den „ galant“ (Verliebten) auf d einKopfe. Ausserdem gab es geheime faveurs, solche, welche ihre Steuntrer der Kleidung, unmittelbar auf Herz, Brust oder Arme erhielte 11 »als auch eine Geheimtoilette von parfümirten Gegenständen, B andern und „nonpar eilies“, so dass schon früh das Sprüchwort aufka®„obtenir les faveurs d’une femme.“ — In Verbindung damit stand, nungleichsam als Entschädigung dafür dass man nach dem Tode H ei * 1richs IV. der Bepuderung des Haars entsagte, eine weiter greifen >-sorgfältigere Behandlung des Schminkens, und der neu auftauchenGebrauch sich mit kleinen, aus schwarzem Taflet geschnittenen Isterchen („ mouches “) zu schmücken. Dass nach dem Ableben Lwigs XIII. die Königin Anna kein Roth mehr auflegte, fandeinige Nachachtung, doch eben nur bei ihrer nächsten Umgebungauch hier nur auf kurze Zeit; das Bekleben mit „Schönfleckchen - a ^da es gleich bei seinem Entstehen vereinzelt scharf angegriffen ward,überhaupt nur ziemlich langsam, kaum vor dem Beginn der vierteJahre mehrseitiger in Aufnahme. Wenn es Pierre Juvemay in seiEifer gegen die unschickliche Entblössung nicht oder nur wenig g ela ’gerade dieser Unsitte zu wehren (S. 994), so hatte es doch mehrere^Erfolg, dass er in seinem ,, Discours“ darüber jene neue Unsitte„Ekel erregend“ bezeichnete, bemerkend „dass die so bepflasterten