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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Weiber (16001650). 999

m en die Herzen Aller, die es erblicken vielmehr von sich abstiessen alsreizton und Geschmack einflössten, da ein solches Pflaster, als darunterverborgen, etwa Geschwür, Pocke, Warze oder andere Hautschäden(quclque rongue, pustule, clou ou autre farcin) voraussetzen lässt.Hiese Pflästerchcn trug man folgends, ausser im Gesicht, auch auf derr ust, und gab ihnen nächst mancherlei Formen, wie den Lieblings-Sc hleifen ( faveurs), eigene Namen und besondere Plätze.

Dem gegenüber hörte das Behängen mit eigentlichen Schmuck-s achen, alsgoldnen mit Steinen besetzten Ketten, Ohrgeschmeiden, Arm-Ogcn u, a. m., von vornherein zu Gunsten der demähnlich behandeltenAleiderzierrathen, wie Brustspangen, Knöpfen, u. s. f. fast gänzlichhöchstens noch dass einzelne der Vornehmsten und Begütertsten denmit einer engumschliessenden ein- oder zweifachen Perlenschnurschmückten. Ebenso verminderte sich der Gebrauch der Gesichts-tn asken (Fig. 367c), je mehr als die Entsittlichung wuchs und es um80 weniger geboten erschien sich und sein Treiben zu verdecken. Da-gegen galten nicht nur wie vor, sondern in gesteigertem Grade als vor-zügliche Putzgegenstände kleine, zierlich umrahmte Spiegel' *9' 358a), goldene mit Steinen besetzte Uhren (Fig. 357a), beidesz Ur Befestigung am Gürtel mit Ketten oder sonstigen Gehängseln, reichy®rzierte Faltfächer (Fig. 358a: Fig. 359b), feine bestickte Taschen-*jcher, gemeiniglich von Spitzen umzogen, Handschuhe von Seideer zartem Leder, hellfarbig, durchnäht, meist parfümirt, und, nebener Aufnahme von Sonnenschirmen, ausser noch mancherleiQuin-Ca ,illerien, 11 ach italienischem Vorgänge, namentlich für den Winter be-verschiedentlich ausgestattete walzenförmige Muffen von Pelz^ l 9- 3756; vergl. S. 683). Inwieweit cs einzelne gefallsüchtige Damen01 fanden, ja auch selbst nur in Schönheitsmitteln und solchem Klein-» Utz z o verschwenden, bezeugt, dass allein Marion de Lonnes ihrem® haber Emeri in nur einem Jahre für Handschuhe, Fächer, Pomaden0 Essenzen fünfzigtausendThaler gekostet haben soll, 1 eine Summe,n ^ er , wäre sie übertrieben, jedoch schon der fünfte Theil hinreichenae > eine maasslose Vergeudung zu bezeichnen.n zum Regierungsantritte Ludwigs XJV. (1651). Aber auch

^ C Ba ^ezu zehn Jahre darüber hinaus, fast so lange bis dass der Königr^ rc h öew Tod Mazarins (1661) dazu gelangte, die Regierung in derla t selbstständig zu leiten, setzten sich die seit dem Beginn der Re-f . 11 sc haft der Königin Anna gewonnenen Formen (s. oben) mit nur ge-de/r 1 ' Abschwankungen im Einzelnen fort. Seine Verheiratliung mitr ufantin Maria Theresia (1659) vermochte darauf, zufolge des Ver-

de Motteville. Memoirs pour servir k lhistoire etc. I. S. 221.