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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
haltens der spanischen Tracht (S. 973), keinen sonderlichen Einflussauszuüben. Dagegen fand der unter den höheren Ständen herrschendeHang zum Prachtaufwande an dem jungen Könige selber gleich einenso eifrigen Beförderer, dass sich die dahinzielende Verschwendung vomHofe aus, wo sie fortan gleichsam zum Wahnsinn ausartete, bald überalle Volksklassen, auch die untersten nicht ausgenommen, fast sämmtlicherStädtegebiete erstreckte. Die ungemein vielseitige erfolgreiche Thätigkeitdes Finanzministers Colbert in Hebung von Gewerbe und Handel trugvorzüglich dazu bei. Um 1661, kaum nachdem man begonnen hatteviele der Luxusgegenstände, die man aus der Fremde bezog, wie auchbesonders die Spitzen und Kanten, im eigenen Lande zu verfertigen,wurden die Verordnungen, welche deren Anwendung verboten (S. 983),als nunmehr nachtheilig, aufgehoben. Colbert selbst gründete in seinemSchlosse de Lonrai bei Alengon eine Werkstätte zur Verfertigungjener vielgerühmten Spitzen, welche danach „point d’Alenfon“ oder„point de France“ hiessen, worin ihm später der jüngste Sohn desGrafen von llarcourt, Graf Marsan folgte. Hauptsächlich aber errich-tete Colbert , neben vielfach Anderem, umfangreiche Werkstätten zurHerstellung von durchwirkten Stoffen, venetianischen Spitzen und seidenenStrümpfen, woraus dem Lande, abgesehen von dem eigenen Bedarf,durch den auswärtigen Handelsbetrieb jährlich erstaunliche Summen zU "flössen, und belebte namentlich die Verfertigung von wollenen Zeugen,wie von Tuchen u. dgl., welche seither überwiegend England und Holland lieferten, ja dergestalt dass bereits im Jahre 1669 Frankreic»44,200 Wollenweber zählte. So denn auch konnte unter anderemcount von Bolingbrok kurz nach dem Ende des Jahrhunderts die B emerkung nicht unterdrücken, dass England und die übrigen LänderFrankreich bereicherten, indem sie von hier an bloss prunkenden, nutz^
losen Lappereien jährlich im Betrage von fünf- bis sechshunderttausen
Pfund Sterling beziehen.
Die von den Männern am Hofe nach dem Tode Ludwigs A~/(1643) angenommehe kindliche Kleidung des erst fünfjährigen Throneib en(S. 987) fand sehr bald allgemeineren Anklang. Bis gegen die Mit tedes Jahrhunderts trug Jeder, welcher dem Zeitgeschmack irgend folgt®'die kurze, nur weniges über die Brust reichende, glattanliegende J aCmit ganzen engeren oder, nun zunehmend häufiger bis zum Armgel®gehenden Ermeln, den freibelassenen Theil bis zur Taille und in letzteremFalle die Unterarme von dem weisslinnenen Hemdzeug bedeckt ( V S •Fig. 360); dazu die enge oder, folgends wiederum mehrentheils,weitere unten offene Kniehose mit den vorn von der Taille sich abwa rverjüngenden Bandreihen nebst sonstigen Bänder- und Spitzenbesatz,die engstgespannte Strumpfhose; die kurzen, weitstulpigen, mit Kanten