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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Männer (16501670). 1001

umrandeten Stiefel; den glatten umgeschlagenen Kragen; das gestickteBrustbandelier; den zum eigentlichen Knöpfrock durchgebildeten Ermel-mantel über einer Schulter hängend, und auf dem langwallenden Haarden steifen walzenförmigen Hut mit schmälerer, geradabstehender Krempe(vergl. S. 987). Nur das höhere Alter, das dem Wechsel der Modeferner blieb, und was dem Heere angehörte, machte davon, letzteres abern ur rücksichtlich kriegerischer Ausstattung, insofern eine Ausnahme,a ls es das (Schoss-) Wamms vorzugsweise beibehielt, selbst noch ver-längerte, und sich des mantelartigen Knöpfrocks fortan durchgängigeruls eines wirklichen Ueberrocks bediente. Abgesehen von diesem Um-stand welcher allmälig allerdings, gewissermassen rückschläglich, einedurchgreifende Umwandlung bewirkte, bewegte sich ein Wechsel vorerstallein innerhalb jener Gestaltungen, doch sowohl gleich als auch in derbolge lediglich vom König ausgehend und so auch einzig durch ihn,Sswissermassen absolutistisch bestimmt. Die wesentlichen Veränderun-S e n seit dem Jahre 1650 bis gegen die Mitte der sechziger Jahrebestanden etwa in folgendem:

Die kurzen Jacken, die beim Bürgerstande mehrentheils bis zuAnfang der siebenziger Jahre währten, wurden zumeist längs dem Rande,i Un d ebenso ihre Haibermel rings um den unteren Rand, mit einer schmalen

Doppelreihe von gekräuselten weissen Kanten besetzt; die Ermel bisweilenausserdem theils unmittelbar unter dieser Kante mit einem längeren Behangv °n langgefaltetem Weisszeuge, anderntheils dicht über jener mit einer Reihee, ufarbiger, rosettenförmiger Schleifen geschmückt. Die zu den HalbermeinSetragenen ganzen, weiten Ermel des Hemds von feiner LeinwandP^ e gte man über den Manschetten, diese jetzt frei hängen lassend,Un d sonst vermittelst farbigen Bändern, sie gleichfalls rosettenförmig ver-^bleifend, zu mehren Bauschen aufzubinden; auch das Hemde nun vomHalse bis tief unter die Brust zu schlitzen, diesen Schlitz mit feinenPitzen von ziemlicher Breite einzufassen, und es in leichter Aufbauschungüber den Hüftrand der Hose zu ordnen. Neben den bestehenden 0s en kamen um 1665, diese seitdem fast gänzlich verdrängend, sehr. umfangreiche Hosen auf, welche, um die Taille befestigt, über dem Knie

°d® r , jedoch seltner, um die Mitte der Oberschenkelunter sich aufge-Uonimen wurden, so dass sie ähnlich der früheren trousse (Fig. 214)S ^* r weite Bauschen bildeten (Fig. 361). Sie, deren als stutzermässig

Poliere in seinemLe misantrope (um 1666) mit der Bezeichnung»vaste Theingrave u gedenkt, 1 sollten, wie Gilles Menage vernahm, dieseZeichnung nach einem Deutschen , Herrn von Bheingraf erhaltenaben, der, als Gouverneur von Masfricht, sie erfand oder einführte.

Acte II, scen. 1.