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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
bart, folgends „« la royale“ genannt. — Der (breite) K ra gen schrumpftenun, gleichsam den Haarmassen ausweichend, zu einem nur die Brustbedeckenden, zwiefachen Laschenkragen zusammen, jedoch mit einstwei-ligem Beibehalt des ringsumlaufenden Spitzenbesatzes und der zumVer-schleifen bestimmten, am Ende bequasteten Bindeschnüre. Dazu kam i»den sechziger Jahren, theils auch an Stelle der letzteren, ein zunächstschmales, massig langes Halstuch zum Verknoten auf, welches man,da es angeblich einem Regimente vonCroaten oder „Crovaten“ entlehntworden sei, als „ crovate“ (cravatte) bezeichnete. 1 —
, Dies Alles wurde in seinen Theilen, sowie auch der zum vollstän-digen Anputz gehörende Degen, Spazierstock u. A. von den sein-wählerischen Stutzern, 2 den s muguets “, durch das zierende Beiwerk vonBändern, Schleifen, Stickereien, Besätzen von Gold, Steinen und Perlen biszu schwülstiger Pracht übertrieben; ja nicht wenige der Stutzer schmück-ten sich nicht nur wie die Weiber, sondern bedienten sich auch gleichihnen der verschiedenen Verschönerungsmittel und sogar derS ch ö n p fl äs t er ch en. So der Herzog von Orleans, welcher sich, beiallem Muthe, den er später als Krieger bewies, seit früher Jugend ziem-lich ähnlich den einstigen „Mignons“, überhaupt wie ein Weib aufzu-putzen pflegte. 3 —
Inzwischen beliebte wohl auch der König, wenn er sich bei denTruppen befand, einen ähnlichen Ermelrock, wie die letzteren trugen,überzuziehen, von dem Soldatenrock („souquenille“), abgesehen vonder Ausstattung, wesentlich nur darin verschieden, dass er nicht zumZuknöpfen war, vielmehr zu Langfalten geordnet vorn herab weit aus-einanderstand (Fig. 360 a). Noch bis um die Mitte der fünfziger Jahrefand dies nur höchst selten statt. Jedoch während seines Aufenthaltsbeim Heere in den Niederlanden (1654—1659) und hiernach, da er sichhäufiger an die Spitze der Truppen stellte, gewöhnte er sich an diesenRock, und machte ihn so, indem er ihn gleichfalls zum Knöpfreckgestaltete, etwa seit 1664 zu allgemeinerer Modetracht. So, vorläufigmit Beibehalt seiner kurzen Schulterermel, trug man ihn über der knap-pen Jacke ohne vorerst diese zu ändern, noch auch in Behandlung
1 Vergl. „Cravatiana oder neueste Halstuch-Toilette für Herrn etc. Nachdem Französischen. Dritte Auflage. Ilmenau 1828. S. 42; dazu A. DebaisLes modes et les parures etc. S. 109, wonach die Einführung der ,, croate bereits unter Ludwig XIII. geschehen sein soll, für welche Annahme ich j edoch in gleichzeitigen bildlichen Darstellungen kein sicheres Beispiel aufzufindenvermochte.
Vergl, unter anderen die Schilderungen Moliers in „Le misantrope Act. !•8cen.^2, in „L’Ecole de maris“ Act. I. sc. 1; und in „L’avare“ Act. II. sc. 6*