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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1007
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Männer (16701700). 1007

Mit dem Rocke änderten sich (spätestens seit 1670) nahezu sämmt-liche übrigen Theile.

Die kurzugestutzte Jacke vermochte in ihrer nunmehrigen Eigen-schaft als Unterkleid ihre Knappheit nicht zu behaupten. An ihre Stelletrat eine völligere, bis etwas über die Hüften reichende, dann, bis gegendas Ende der achtziger Jahre, bis zu den Knien verlängerte, wamms-förmige Ermelweste, vorn der Länge nach zum Verknöpfen, theils'it nach unten erweiterten Ermeln {Fig- 362b). Die weitbauschigeKniehose wurde durch eine beträchtlich engere, später, namentlich beiden Vornehmeren noch engere Kniehose ersetzt, und mit allmäliger Be-seitigung von Bändern, Schleifen- und Spitzenwerk, einzig unterhalb derKnie mit einem breiten Bande verschleift. Die Strumpfhose blieba Uch jetzt unberührt, ausgenommen, dass auch von ihr jeder Besatz ver-schwand. Anfänglich ihren oberen Rand mit der Kniehose bedeckend,^ ar d es in der Folge üblich jenen über diese zu ziehen, sieä canon^ la royale zu tragen. Die Schuhe erhielten, bei Fortsetzung der°hen. rothgefärbten Hacken, doch gleichfalls mit Beseitigung der Schlei-^ en > hochgehende Laschen, vorn zum'Knöpfen. Die Stiefel, alleinOoch zum Reiten benutzt, verlängerten sich über die Knie steif walzen-ormig m it dementsprechend gestaltetem, glattem, breitem Stulp; imanzen, nebst breitem Spornleder, vorwiegend schwarz gefärbt. Deratl glich viereckige zwiefache Kragen (Fig. 360b ) wich seit 1680 demunter dem Kinn zu verknotenden, breiten weissen Hals tuche, der so-Scnanntcn )} cravate gänzlich. Sie, inzwischen bedeutend verlängert,Wegte man ohnehin noch anders als etwa nur unten zu besetzen, theilsei herabhängen zu lassen, theils, zu einem Bausch aufgestaut, unterie °flene Weste zu stecken. Da die Truppen, insbesondere die Officiere,der Schlacht bei Steenkerken (1692) die sehr langen Enden ihreravatten mehrerer Bequemlichkeit wegen zusammenwanden und ver-muteten, fand diese Gestaltungsweise alsä la Steinkirk weitere Nach-mi,n g) jedoch ohne festeren Bestand.

Neben den verschiedentlichen Perrücken, die fortdauernd auf-_ Heilten, behauptete diegrand in-folio ihren vorweg errungenen Sieg' *003). An ihr haftete der Begriff, dass einzig sie am würdevollstenn majestätisch erscheinen lasse. Ludwig XIV. selber war hiervon der-aassen durchdrungen, dass er diese, seine Perriicke, vor Niemandem,l 'c nicht einmal in seinem Schlafzimmer vor seinem Kammerdiener ab-S e - So blieb denn aber eben auch sie der vorzüglichste Schmuck£ höheren Beamten, Magistrate und Gelehrten,, wie überhaupt allerWenigen, denen es gleich einer Selbstpflicht galt durch ihre Erschei-ja ® zu 'mponiren. Indessen noch während der siebziger Jahre ver-achte man das lichtblonde Haar gegen ein dunkelfarbiges, meist