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HL Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
senkte, zogen sich die Ermel ziemlich allgemein zu schmalen Achsel-stücken zusammen. Im Verein damit legte sich der Kragen um denRand des Ausschnitts gleich einer ihm eng anschliessenden Einfassungum, oder ward auch durch ein aus dem Rande hervorquellendes Ge-krausel gänzlich ersetzt; die Ermel aber erhielten bald, nächst wech-selnder Umrandung von kostbaren Borten, ja selbst von Goldschmiede-arbeit, so wie auch im Winter von Hermelin, einen verschiedentlichlangen ein- und mehrfachen manchettenartigen Behang von Spitzen, baldbesondere Untcrermel von Weisszeug, die, von der Schulter aufge-bauscht bis zur Armbiege reichend, hier von einem ähnlichen Spitzenbe-hang umzogen waren (Fig. 363). Im Uebrigen blieb der Arm und auchder Hals entblösst, doch nunmehr eben fast völlig, was denn, dadieEnt-blössung namentlich des Halses noch zunahm, um 1675 abermals eineSchrift dagegen: „De 1'abus des nudites de gorge“ hervorrief. Zufolgenun auch derartiger Entblössung der Arme dehnten sich die Hand-schuhe mehrentheils, sammt ihrer verzierenden Ausstattung durchStickerei oder Nätherei, bis zum Armgelenk hin aus.
Die Kopftracht freilich erfuhr sowohl rücksichtlich der Anordnungdes Haars, als auch insbesondere durch Wiederaufnahme einzelner, wenn-gleich vorerst nur leichter Kopfbedeckungen, eine im Verhältnis,zur Gewandung von vornherein merklichere Umwandlung. Der übliche«Behandlung des Haars entsagte man zunächst am Hofe, darnach auchbald im Allgemeinen bereits zu Anfang der seehsziger Jahre. Seitdembegann man, nach dem Vorgänge der Königin, das Haar glatt zu schei-teln, im Nacken aufzunebmen, dahingegen an den Schläfen (die Ohre»mitbedeckend) breitkugelig glatt aufzupufTen und aus den PufTen mehreredünne, Korkzieher-ühulich^gewundene Locken kaum bis auf die Schul-tern herabbängen zu lassen. Diese an sich wenig kleidsame Form wareben nicht von langer Dauer. Ohne sie gerade gleich durchweg auft«'geben, zog man es doch schon nach wenigen Jahren vereinzelt, und bisgegen 1670 in weitester Verbreitung vor, jene kugeligen, glatten Puffe»durch Kräuselung zu breiten klein lockigen Massen aufzulösen, sa»vie a»c'andrerseits das Haar vorn, um die Stirn, zu loeken, und auch gelegen*'lieh ausserdem längs den Wangen, nicht unähnlich den männliche»Perrücken, in dichteren geraden oder gelockten Strehnen, diese biswed enunten verschleift, nach vorn, gegen die Brust hin zu ordnen. ^ ebendiesen Gestaltungen, in deren Herstellung sich ein gewisser Montgobertausgezeichneten Ruf erwarb, 1 und die sich auch ihrer Kleidsamkeit «'eg e!1
licäel TrlfV. T h !r T daS folgende, die von C. Heiners Geschichte des we'b'Stellen ° 1 ecb 8 ***' *^3 ff. aus gleichzeitigen Memoiren mitgoth® 1