vielfach bis in die achtziger Jahre fortsetzten, kam jedoch inzwischenabermals eiue Neuerung auf, die ihnen den Vorrang streitig machte. EsSing dies von einigen der jüngeren und schönsten Damen des Hofs, vonFrau von Montespan , Frau von Thianges und ihren Freundinnen aus.Sie liessen ihr Haar auf dem Wirbel, inmitten des Kopfes gleich einerFurche „ä la paisanne“ theilen, je zwei Finger hoch aufrollen, an jederSeite aber in Absätzen zu übereinanderfallenden Löckchen kürzen, welchesich in reizvoller Nachlässigkeit nur einen Finger breit über die Ohrenhinab erstreckten, mit Ausnahme einer grösseren Locke, die bis auf denHusen fiel; Einzelne beliebten das Ganze mit farbigen Bändern zu durch-wehen, auch wohl durch einen eigenen Aufsatz von Schleifenwerk u. dgl.2,1 schmücken, wovon indessen die jüngeren Damen fast durchweg ab-standen. Die schöne Frau von Nevers war eine der Ersten, welche sichdieser Neuerung anschloss, aber zugleich viel weiter ging. Sie liessnicht allein die Haare des Vorderhaupts, sondern die Gesammtfiille der-gestalt kürzen und kräuseln, dass der Kopf, nur ausgenommen längs derFurche, gänzlich von mässig langen Locken umschlossen ward. Als sies ° zum erstenmale erschien, entging sie nicht dem Spotte, indem manWne solche Uebertreibung mit einem Kohlkopfe verglich. Dennoch, undobschon auch selbst der König sie und ihre Nachahmerinnen gründlichuuslachte, währte es kaum einen Monat dass sogar die Königin, mit-Hin nun auch siimmtliche Hofdamen, eben diese Gestaltungsweise an-uuhmen, da „der König die kürzeren Haare und (mässig) langen LockenHir schöner, als die langen Haare und kleinen Locken erklärt hatte.“Hie Frau von Soubise, besorgt dass die tiefgehende Scheitelung ihrZahnschmerzen verursachen würde, liess sich von Mademoiselle de la&°rd eine Anordnung hersteilen, welche wohl längs den Wangen eben80 gut kleidete als jene, aber oberhalb weit hinter ihr zurückstand. DieFrau von Montespan dagegen änderte die von ihr einmal aufgebrachteFrisur auch während sie sich auf der höchsten Stufe königlicher Gunstbewegte einzig nur insofern ab, als sie jederseits von der Schläfe auseine Locke auf die Wange fallen liess und das Ganze, statt wie vordemnbt schwarzen Bändern, mit dem kostbarsten Geschmeide zierte. DieWiederaufnahme von Kopfbedeckungen ging immerhin nur langsaml, nd schüchtern vor sich. So vor allem bei der Jugend, welche sichdazu vorerst überhaupt kaum verstehen wollte. Auch blieb mit in Folgeessen ein derartiger Putz noch nahezu bis gegen die achtziger Jahrej® 8t lediglich auf kleinere und grössere Kopf- oder Schleiertücher von® ei de u. a . beschränkt, welche, bisweilen längs den Kanten gestickt, aufdeDa Hinterhaupte befestigt oder leicht um den Kopf gelegt, und dann“ nter dem Kinn verschleift wurden. Im Winter pflegte man auch, selbst,nner balb der höchsten Stände, noch über ein solches Tuch von farbiger
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Buch
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Seite
1013
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