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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
*Seide oder Flor einen längeren Schleier von schwarzer Seide anzulegön-Nebenher tauchte eine eigene Art von Kopfputz auf, welcher, da erdurch die schöne Fontange veranlasst worden sein soll, den Nahten„ä la Fontange“ erhielt. Die Veranlassung dazu fand sich auf einerJagdpartie des Königs. Auf dieser Partie trug die Maitresse einen klei-nen mit Federn geschmückten Hut. Gegen Abend sah sie sich durcheinen heftigen Wind genöthigt, den Hut abzuthun und ihr Haar, danu*es nicht in allzugrosse Unordnung gerathe, mit Bändern (oder Laub?)befestigen zu lassen, davon die Enden und Schleifen umherflatterten. Alsder König dies erblickte, war er hierüber dermaassen entzückt, dass cisie bat, so zu verbleiben. Die nächste Folge war, dass sich gleich a®anderen Tage die Damen des Hofs beeiferten, diesen zufällige* 1 ^ utZthunlichst nachzuahmen. Dennoch blieb derselbe, als eben nur ausnahnisfällig, auch am Hofe noch längere Zeit hindurch vereinzelt, wähledessen er aber nichtsdestoweniger eine regelrechtere Durchbildung evful* r ’in welcher er sich dann folgends verbreitete (s. unten). —
Also verhielt es sich im Allgemeinen, bei kaum wechselnden* l' 01bestand der Fussbekleidung, Schmucksachen und Verseherungsmittel, darunter der Puder und die Gesichtsmasken wlC _holentlich weitere Verbreitung fanden, etwa bis um 1685, bis zur *°herrschaft der Frau von Maintenon . — Die sich unter ihrem Lh*fl** ssvollziehenden Wandlungen (S. 946) kündigten sich vor allem i** c ‘ 1 ’ e .rasch um sich greifenden Einschränkung der Entblössung, namendes Halses und Busens an. Das Leibchen rückte beträchtlich **o ’
mindestens über die Brust, und für den gewöhnlichen Verkehr 111 e *''^theils bis zum Ansatz des Halses hinauf. Eine Ausnahme hiervon J c ^musste dem Erscheinen bei Hofe, wie insbesondere bei festlichenlegenheiten daselbst Vorbehalten bleiben, da für diese Fälle der hoAnstand eine Verhüllung dieser Tlieile geradezu nicht gestattete. ^solcher Widerspruch aber mit den sittenstrengen Forderungen jener ®‘tigen Frau war allerdings peinlich. So denn, um beides möglic * s ^vermitteln, erhöhte und versteifte man die Schniirleiber derges ^dass sie, festgespannt, die Brüste in scharf flachem Zusammend rUC ^._hoch als thunlich hinaufpressten. Das Leibchen selber ward, ®'*.g n g 3behalt der Schulter- oder Ilalbermel, zumeist ganz geschlossen, nurseinem vorderen Rande das Hemd zu einem schmalen, regelmässig ^fältelten Streifen hervorgezogen, oder innerhalb mit einem i ^ 1I l!. c ] i -Streifen besetzt (Fig. 364 b), bisweilen auch ein kurzes, offenes ‘^ nchen mit kurzen Ermeln darüber angelegt; das Jäckchen mitunterüber Kreuz geschnürt. Die sonstige Bedeckung der Aermebildete ziemlich gleichartig wie zuvor das feinstoffige Hemd nebstbehäng, nur dass der Behang häufiger bis gegen das Handgelenk