A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Weiher (1680—1700). 1017
ster Verbreitung zu liaubenartigen Aufsätzen von verschiedener, höchstseltsamer Gliederung (vergl. Fig. 364 a —c). Diese Aufsätze bestanden,wohl den einstigen grossen Schleierbebängen, den Hennins u. s. w . ver-gleichbar, aus einem sich in mehren Absätzen hinter-, neben- und c.ber-einander bis zu zwei und selbst drei Fuss erhebenden Gestell von Eisendrath, mit einem mannigfach abwechselnden Bezug aus gekräuseltenStreifen von Musselin, Bändern, Schnurwerk („chenilles “), Haarkrausen,Perlen, Blumen, Federn u. a. m. Jeder, auch der kleinste Tlieil erhieltnach Zweck, Form und Beschaffenheit eine eigene Benennung, als:iM solitaire, le duc, la duchesse, le capucin, le chou, l’asperge, le chat,lasouris, letuyau, d'orgue, lepremier, le troisieme et, quisqu’au dixi'emeciel.“ Wie in allem, so fehlte es eben auch hierbei nicht an Uebertrei-bungen. „Die Herzogin du Maine, “ schrieb Frau von Maintenon , „er-liegt unter dem Golde und Edelgestein. Ihr Kopfputz wiegt schwererft ls sie selbst.“ Nichts half es, dass sich gegen derartige Ungeheuerlich-keiten auch der König erklärte. Erst als es der Gemahlin des englischenGesandten von Shaftsbury gelang, solche Thorheiten durch heissendenSpott lächerlich zu machen, verstand man sich theils dazu, den Putzaufzugeben. Da indessen sein gänzliches Verschwinden keineswegsder Wunsch des Königs war, auch die Frau von Maintenon auf seinenPortbestand in bescheidener Form hielt, nahm man ihn wiederum, aller-dings in nun dementsprechender Ermässigung, ganz allgemein auf, ihnn Un so bis in den Beginn des nächsten Jahrhunderts übertragend. EineAbart dieses Putzes, aus drei bis vier eigens geordneten Absätzen undmancherlei besonderem Beiwerk bestehend, nannte man nach der Schlachtvon Steenkerken (1692), zu Ehren derselben, „ä la Steinkirque“.
In der Verwendung von eigentlichen Schmucksachen fand höch-stens insofern eine Erweiterung statt, als zu den Halsschnüren vonPerlen u. dergl., mit der wachsenden Entblössung der Arme, mehrentheilsgoldene, mit Perlen und Steinen besetzte Armspangen abermals ge-bräuchlicher wurden. Sonst blieb der Goldschmuck noch immer vorwie-gend auf die Verzierung der Gewandung, auf Brustspangen, Agraffen,Knöpfe u. dergl. verwiesen. — Die Benutzung der Verschönerungs-mittel dagegen nahm in weiteren Kreisen, ja bis zum Uebermaass zu.So vor Allem die Weise sich der Schminke, des Puders und derSchönpflästerchen zu bedienen. „Die Weiber am Hofe“ — schriebLa Bruyere (geh. 1644) — „befördern das Verblühen ihrer Schönheitdurch die unnatürlichen Künste, wodurch sie sich zu verschönern glauben.Sie bemalen ihre Lippen und Wangen, ihre Augenbrauen und Schultern,welche sie gleich ihrer Brust zur Schau stellen, endlich ihre Arme undOhren“ (u. s. w.). „Wenn die Damen sich in der Absicht schminken,l, m den Männern zu gefallen, so erkläre ich ihnen hiermit im Namen