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III. Ras Kostüm des 17. Jahrhunderts.
meines ganzen Geschlechts, oder doch des grössten Theils desselben, dassdie weisse i«id rotlie Schminke sie hässlich und selbst ekelhaft, und dierothe Schminke allein alt und unkenntlich macht, dass die Männer sieebe^o ungern mit Bleiweiss auf dem Gesichte, als mit falschen Zähnen<’m Munde sehen.“ Im Uebrigen galt auch die (weisse) Bepuderungnoch bei weitem mehr dem Halse, den Armen und Händen, als demHaar, für welches sie erst nach dem Beginn des folgenden Jahrhundertswiederholentlich durchgängiger in Aufnahme kam. Den Schönpfläster-elien („niouches“) aber widmete man zunehmend grössere Aufmerksam-keit, indem man sie sowohl in steigender Zahl nicht allein im Gesichte,sondern auch auf Hals und Busen auflegte, als auch der Form und Be-nennung nach vervielfältigte, wobei man es nun ebensowenig, wie vordembei den (Stimmungs-) Schleifen, auch an „assassins“ u. dergl. fehlen Hess(vergl. S. 988). Man trug sie, zu beständiger Ergänzung, in einer klei-nen, zumeist höchst zierlich gearbeiteten Dose oder Kapsel stets bei sich.
Zur Schonung des Teints dienten, nächst mancherlei kostbarenSalben und künstlichen Wassern zum "Waschen, für die Nachtzeit be-stimmt eigene, aus verschiedenen Mischtheilen pflasterartig beschaffteGesichtsmasken 1 („masquins“); auch wurden wohl zu gleichem Zweckfür den Tagesgebrauch, als Schutz gegen die Sonne, ausser den Sonnen-schirmen und Faltfächern, allerdings auch nicht selten blos untersolchem Vorgehen zur Beschönigung von Nebenabsichten, die Tages-masken in Anwendung erhalten. Und wie sich denn insbesondere anden Schirmen und Fächern der Aufwand selbst noch steigerte, soauch war dies der Fall an allen den noch sonstigen Putzsachen, denUhren, Taschentüchern, Muffen, Spazierstücken u. a. nl ->welche letzteren seit den neunziger Jahren abermals vorwiegend beliebtwurden. Dahingegen verloren sich bereits im Verlauf der seebszigerJahre die kleinen Trage- oder Hängespiegel. Für die Muffenaber wählte man jetzt häufiger statt des Pelzwerks derbe Seide, Sammtoder Plüsch, meist einfarbig (roth, gelb u. s. w.), mehrentheils reich be-näht und anderweitig, wie durch Quasten, Schleifen u. dergl. ausgestattet.
1 In: „Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon, worinnenu. s. w, ordentlich nach dem Alphabeth kurtz und deutlich abgefaßBt und erklaret zu finden, dem weiblichen Geschlechte insgesammt zu sonderbarenNutzen u. s. w. ausgestellet“ von Amaranthes (1715) heisst es S. 1243.„Masquin, ist eine aus weissen Wachs, Froschleich-Wasser. Pomade, V 0 !'rath und Campffer verfertigte und auf eine zarte Leinwand gestrichene Mnssa,woraus sich die Dames Masquen über das Gesichte zuselmeiden und zu verfertigen pflegen, welche ihnen zarte und weisse Haut machen soll.“