Die Niederlande bewahrten dem französischen Einflüsse gegenübereine Selbständigkeit, die sich bei aller Abschwächung doch, namentlichbei den mittleren begüterteren Ständen, immerhin bis weit über die Mittedes Jahrhunderts merklich genug äusserte. Für Belgien trug die da-selbst befestigte Oberherrschaft mit allen ihren Folgerungen nicht un-wesentlich dazu bei, jenen Einfluss zu schwächen, für Holland aberward es die Sicherstellung der Unabhängigkeit, was ihn aufhielt, undseinem freilich nicht abzuwehrenden Vollzüge engere Schranken anwies.Aber in beiden Landestheilen war der Volkstümlichkeit die nahezugleiche Grundlage gegeben. Und so wenig in Belgien die hier nochgeraume Zeit fortdauernde starre spanische Tracht der Machthaber diesonst übliche zwanglosere Bekleidungsweise allgemeiner zu bestimmenvermochte (S. 521), um so viel freier gestaltete sich solche in Holland ,nun in dieser Gestaltung auch nach dort in einem Maasse zurückwir-kend, dass sich beide Gebiete gerade in dem Punkte fast bis zur Aus-gleichung näherten (vergl. S. 598 ff.). Eben nur darin wichen die Belgiervon ihren nördlichen Nachbarn ab, dass sie mit ihnen nicht durchweggleichen Schritt hielten, und in ihrem äusseren Erscheinen, mindestensder Gesammtfassung nach, das ihnen aufgedrungene Gepräge einer be-fangenen strafferen Bemessenheit, eben mit in Folge des seit lange ge-wöhnten Drucks, fortan mehr als Eigenheitlichkeit herauskehrten.
Die männliche Kleidung vor allem fuhr auf dem von ihr «mge-schlagenen AVege fort. So schwer sie sich von vornherein dem Zwangeder spanischen Form gefügt und ihn, soweit sie ihm überhaupt unter-legen war, bereits in engem Anschluss an die französische Gestaltungs-Weise zu mehrer Freiheit durchbrochen hatte, verblieb sie in dieser Rich-tung thätig. Ganz wie seither betraf es zumeist die Ermel und dieKeinbekleidung. In Fortbildung der gewonnenen freieren Formen(Fig. 232 ff.) entsagte man zunächst an den E»neln jeder etwa been-genden AVattirung, und so auch, mit nur noch kurz währenden Ausnah-men besonders bei einzelnen Truppentheilen, den stark ausgepolstertenKniehosen (vergl. Fig. 365). An ihre Steile traten jetzt fast durchwegtheils die höchst wahrscheinlich hier erfundenen geraden offenen Knie-hosen (Fig. 233 a; S. 579), theils in der Folge aber jene sehr weiten,schlodrigen, unten geschlossenen Beinkleider, welche seit der Mitte desJahrhunderts von den Franzosen unter dem Namen „ rheingrave“ aufge-uommen und von diesen geradezu als eine von Mastricht ausgegangeneNeuerung betrachtet wurden (S. 1001; Fig. 367 a). Indessen, wie ebendiese Erfindungen so recht eigentlich aus dem A T olke als ein Ergebnissseiner Anschauungsweise hervorgingen, so auch beherrschte diese dasUebrigc. Nach einem Schwanken von nur wenigen Jahren zwischen denälteren und den neueren (französischen ) Formen, mit dev völligeren