1020
III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Aufnahme der letzteren, äusserte sich dies in Holland nichtsdestowenigersofort an allen Theilen, von der Sohle bis zum Hutdeckel. Jeden Zwang,auch selbst in der verzierenden Ausstattung durch Besatzstreifen, Schleifen-und Spitzenwerk möglichst abweisend, gewann die Bekleidung gleich an-fänglich’, wenn schon weniger im Schnitt, doch in der Art der Verwen-dung des Einzelnen, abweichend von der französischen, den Ausdruckeiner auf Wohlstand beruhenden, freien, bewussten Behäbigkeit. Inner-halb der vornehmsten und gebildetsten Kreise allerdings ward dies, soauch besonders in Belgien , durch die sich in ihnen vorwiegend aus-breitenden französischen Lebens- und Anstandsformen, dementsprechend
Fig. 365.
bedeutend abgeschwächt; in allen den sonstigen Kreisen dagegen, diesich davon freier erhielten, wie denn beim Volke im weiteren Sinne, trates dann aber, eben dadurch gehoben, nur um so augenfälliger hervor.
Auch die seit der Mitte des Jahrhunderts sich gleichwie in Frankreich vollziehenden Wandlungen änderten bei allem Wechsel, den sie geraderucksichtlich der männlichen Kleidung mit sich brachten, in jenemunkte kaum einiges. Die begüterteren mittleren Stände gingen darinzum Theil noch weiter, selbst bis zur Uebertreibung. Es begann diesunter dem reicheren Stutzerthum, welches sich in solcher Weise geltendzu machen suchte, was denn namentlich die wohlhabendere Jugend übel-