A. Tracht. Niederlande . Kleidung der Männer (1650—1700). 1021
haupt zu gleichen oder doch ähnlichen Ueberschreitungen veranlasste.Gegen die übermässig langen Haare, wie insbesondere gegen den Ge-brauch der Perriicken, erhoben sich bereits um 1642 mehre Stimmen,die einen hartnäckigen schriftstellerischen Kampf für und wider erreg-ten, welcher erst endete, als der allseitig geschätzte Claude de Saumaise („Salmasius Professor zu Leyden , überzeugend darlegte, dass dieTracht des Haars zu den gleichgiltigen Dingen zu zählen sei. Aber die-ser Streit, zu dessen Entscheidung sogar verschiedene Synoden berufenwurden, galt fast lediglich der Geistlichkeit. Und während sich mithindiese also ereiferte, setzte sich nahezu auf allen Köpfen der Nichtgeist-
Fig. 366.
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liehen die Perriicke, und eben auf denen des Stutzerthums in ihrer gan-z en Ungeheuerlichkeit fest. —Die Kleidung selber beharrte, in gegen-sätzlichem Vcrhiiltniss zu den französischen Vorbildern, in dem Streben•lach Weite und Länge. Es zeigte sich dies, wie an der von Mastrichtausgehenden Hose („rheingrave “; Fig. 367 a), fortdauernd an fastsäinmtlichen Formen, so dass dadurch die Gesammterscheinung einen nichtgeringen Anflug von Breite und Schwerfälligkeit bekam. Gleich die derkindlichen Ausstattung Ludwigs XIV. entlehnte, knappe, kurzermeligeJacke (S. 1000), als auch der daneben auftauchende SchurzroekWurden dem unterworfen. Beides wollte in seiner ursprünglichen (fran-