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ill. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
noch um vieles bescheidener, fast durchweg in völliger Uebereinstiramungmit den Vorgängen in Holland .
Wie es sich indessen mit den Holländerinnen verhielt, darüberIiess sieh unter anderen der ebenso als liebenswürdiger Gesellschafter,wie als geistreicher Beobachter hochgeschätzte Charles de St. Denis deSt. Evremont in einem Schreiben an den Marquis le Crequi um 16®^sehr bezeichnend aus: „Die Damen sind sehr höflich, und die Männerwenden nichts dagegen ein, dass man ihrer Gesellschaft den Umgang tnlt:ihren Weibern vorzieht. Die Holländerinnen sind umgänglich genug, uniuns eine Zerstreuung zu verschaffen, aber zu "wenig belebt, um unsereRuhe zu stören. Glauben sie ja nicht, dass sieh nicht einige sehr Hebenswürdige unter ihnen fänden. Allein, es ist nichts von ihnen zu hoften,entweder wegen ihrer Tugend, oder wegen ihrer natürlichen Kalte, welch®die Stelle der Tugend vertritt. Dem sei, wie ihm wolle: genug,'in ^ ®land ist eine gewisse Sprödigkeit und Enthaltsamkeit als alte herrschenSitte hergebracht, die wie eine Art von Religion von Mutter aTochter forterbt (u. s. w.). Sie betrachten das Heirathen als ein G 11und ihren jungfräulichen Stand als denjenigen Zustand, in welchem -bleiben sollen.“ — „Die Weiber sind ohne Ausnahme der Meinung, 0wenn sie sich einmal einem Manne hingeben, sie alle freie Gewalt übei siselbst verloren haben. Sie erkennen bloss die Einfalt ihrer Pflicht) uiwürden sich ein Gewissen daraus machen, die Freiheit ihrer Neigu n o^_behalten, welche sich anderswo auch die sprödesten ihrer sonstigenhängigkeit ungeachtet heimlich auszubedingen pflegen. Hier eiman Alles für Untreue; und Untreue, die an galanten Höfen a ' s ^_grosses Verdienst gilt, wird von diesem guten Volke als das grösste ^ster verabscheut, das in seinem Betragen und in seiner Verfassung (weise, aber in seinen Vergnügungen und Lebensformen wenig gelehrt is^Und eben diesem Urtbeile entsprach denn auch das kleidliche
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scheinen, die Weise, in welcher die Holländerinnen die frauzo»
Formen behandelten. Obschon denselben in ihren Wandlungen t° S ’verwahrten sie sich doch nicht allein gegen die vielen damit vei ^nen Uebertreibungen, vielmehr setzten ihnen, hauptsächlich bis zur ^des Jahrhunderts, eine Maashaltigkeit entgegen, die gerade in il ,rer
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einfachung recht eigentlich dazu angethan war eine natun* 1muth zu begünstigen. Nicht liess es der weit verbreitete Reich thum^^Kostbarkeit in Stoffen und verzierenden Zutliaten fehlen, aber die ^staltungsweise, den Schnitt, und die Verwendung des Einzelnen ^Ganzen beherrschte ein Gefühl für Schicklichkeit und Wohlansta« ^ches auch solchem Aufwande zugleich das Gepräge von * nner ^ n urdiegenheit aufdriiekte. Ausserdem dass man sich votT einerähnlichen Ent bl össung, wie in Frankreich beständig zunahm,