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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1025
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A. Tracht. Niedcrland. Kleidung der Weiber (16001700). 1025

den Gebrauch von hochgehenden Leibchen und kragenavtigen Ueber-tüehern ferner hielt, auch den dort so üppig wuchernden Besatz mitBändern, Schleifen, Spitzen u. dergl. bedeutend einschränkte, gab manvor der daselbst hauptsächlich beliebten, vorn offnen (oberen) Robe, demgeschlossenen Rock mit massiger Schleppe bei weitem den Vorzug.Aber auch überdies beobachtete man in Allem, wie in Anspannung desLeibchens, der Beschaffung der Ermcl u. s. f., eine gewisse selbststän-dige Freiheit, welche denn eben im Verein mit derartiger Gemessen-heit und einer nun auch gleichfalls natürlichen Anordnung des Haars,

Fig. 368.

sowohl die Gestalt an sich, als auch in ihren Bewegungen um so unge-zwungener, flüssiger erscheinen liess {Fig. 368). Freilich vermochte sichdies dann folgends, gegenüber dem Eindringen der späteren französischen Bonnen, wie insbesondere der Formen, die seit den achtziger Jahrenurn sich griffen (S. 1014), nicht mehr gleichmässig zu erhalten. Indes*son, wie weit diese Formen auch Aufnahme und Verbreitung fanden, war'hes doch mehr bei den mittleren Klassen als bei den höheren, gebilde-teren Ständen der Fall, welche, während nun jene Klassen diese schonan sich steifen, verhüllenden Formen wohl selbst noch, ja bis zum Ba-"" ßlss, Kostümkunde. III. 65