A. Tracht. England. Kleidung der Männer (1600—1650). 1027
sehe Bekleidungsweise fast durchweg beibehielten (S. 578 ff.), so auchhlieben sie im Ganzen dieser Weise mindestens noch bis gegen das Ab-leben Jacob's I. (1625) getreu. Aeussere Umstände waren dem allerdingsförderlich: Einerseits die, wenn auch nur gelegentliche AYiederbelebungderselben am französischen Hofe durch Anna von Oestreich (S. 982),anderseits aber vor allem die Erhebung Jacob's I. selber, da er geradediese Kleidung dauernd zu der seinigen machte. Die ihm angebomeFurcht vor meuchelmörderischen Angriffen bestimmte ihn hauptsächlichdazu, sofern eben jene bei ihrer wulstigen Gespanntheit eine starke Aus-wattirung, als nicht gerade zu auffällig gestattete. Selbst bei feierlichenGelegenheiten, welche ihm die hierfür herkömmliche, davon abweichendeFestkleidung vorschrieben, trug er zum Schutz gegen Dolchstiche starkgepolsterte Unterkleider. Sonst aber erschien er, fast ganz nach spät-spanischer Art ( Fig . 350 a b ), in dem festanliegenden Wamms, bis zumHalse zugeknöpft, mit knappen, schossartigem Vorstoss, Schulterwülstenund ganzen Ermeln; in der weiten, gespannten, sich bis zu den Knienverengenden Pumphose, der enganschliessenden Strumpfhose, der kurzenrunden Halskrause, dem hohen aufgesteiften Hut mit schmaler auswärtsgebogener Krempe, knappen Schuhen und weitem Schultermantel,Wamms, Ermel und Beinbekleidung übermässig auswattirt und gesteppt.Hi es war nun freilich nicht geeignet, zur Nachahmung anzureizen; um®o weniger als es im Verein mit seiner an sich äusserst schwächlichen,körperlichen Beschaffenheit, die ihn kaum ohne Stütze sicher schreitenöess, und seinem auch in Geberde und Sprache wenig anziehenden Aeus-Se ren, einen vielmehr abstossenden Eindruck machte. Abgesehen abereben von solchen Bepolsterungen, kleidete man sich im Allgemeinen dochganz demähnlich, wobei sich noch neben der Pumphose sowohl die kurze,kugelige, langgeschlitzte Oberschenkelhose (,, breeches“), obschon im ab-nehmenden Grade, als auch der kürzere, ermellose Schultermantel be-haupteten ( vergl . Fig. 351). Die nächsten Abwandlungen beschränktensich auf einen Ersatz der runden Halskrause („ntff“) durch den glatten,halbgestciften Kragen („band“) in hochstehender, gerad- oder schräg-aufliegender Anordnung („falling-band“), und der wulstigen Beinkleiderdurch die ungepolsterte Kniehose; auch fand statt des hohen aufgsteif-ten Huts, der breiter-krempige weichere Hut mit vollerem FederschmuckUlehre Aufnahme. Doch begann selbst auch eine solche, nur schwacheAnnäherung an die französische Gesammtausstattung nicht vor dem Be-ginn der zwanziger Jahre. Nur einzelne der vornehmsten, reichbegüter-ten Stutzer allerdings gingen auch schon zu dieser Zeit um Vieles wei-ter, indem sie sich, zugleich in ausnehmendem Verfolg des überhauptfortdauernden Aufwands in Stoffen, Zierrathen u. s. w., fast durchausfranzösisch kleideten. Mit zu diesen Stutzern gehörte vor allem der