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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

eitle, und als Günstling des Königs übermächtige George Villiers , Her-zog von Buckingham, welcher, da er als Gesandter überdies häufigerParis besuchte, auch wesentlich nach der Seite hin den Ton angab. SemAufwand überstieg jedes Maass. Ausserdem dass er zu seiner Kleidungstets die kostbarsten Zeuge, wie Sammet, Atlass, Gold- und Silbeistowählte, liess er sie nicht allein mit den theuersten Litzen, Buntsticke-reien u. dergl. aufs Reichste schmücken, sondern auch gemeiniglich mitPerlen, Edelsteinen, wie besonders diamantnen Knöpfen, in kunstvollerGoldarbeit besetzen. Und derartiger, vollständiger Anzüge besass derselbe (um 1625) nicht weniger denn siebundzwanzig, von denen jedergegen fünfunddreissigtausend Francs kostete, während er für den Festanzug allein, in welchem er auf der Hochzeit Karls I. erschierf , *° nmalhunderttausend Francs verausgabte.

So mehrentheils eingeleitet, fanden die französischen Formen dannseit der Thronbesteigung Karls I. (16251649) auch im Ganzen allg emeinere Verbreitung. Der König selber hatte schon zuvor, wohl aucauf Veranlassung seiner Bewerbung um die Hand der französischen Prinzessin Henriette, gleich Buckingham, abgesehen von der bereitsstattgehabten, auch von ihm befolgten Veränderung des Kragens, dasknappe Wamms mit den ganzen Ermeln und die wulstige Hose, ebengegen die in Frankreich verbreitete, vorn offen getragene (Schoss-) Jackemit weiten, geschlitzten, unterbauschten Ermeln, und die engere, faltig er ®Kniehose vertauscht ( vergl Fig. 353 5); zugleich von dort sowohdie Anordnung des Haars, als auch den breitkrempigen Hut, und nebenBeibehalt des einfachen Schultermantels, den mantelartigen Umhang i nltErmeln angenommen. Nur in der verzierenden Ausstattung, dem Be-nähen und Besetzen mit Litzen, Knopf- und Spitzenwerk, so wie auchhinsichtlich der Farben, indem er für gewöhnlich Schwarz und "W e ,9Sden Vorzug gab, hielt er sich, bei allem sonstigen Aufwande in ^ enStoffen, um vieles einfacher, was denn aber seiner von Natur höchst an-genehm wirkenden Persönlichkeit gerade besonders zu statten kam. ""Wie der König, so der gesammte Hof, und folgende was ihm nahe stauoder sonst anhing, mithin zuvörderst der Adel als solcher) und daueimindestens Alle, welche während des bald beginnenden Kampfes demKönigsthum ergeben blieben. Indessen, nachdem einmal jene Form > nso weit Aufnahme gefunden hatte, suchte man auch mit ihren B auhingen, wie solche sich in Frankreich vollzogen, gleichen Schritt zu flten. Schon bald darauf, bereits zu Anfang der dreissiger Jahre, inaC ^sich und zwar vor allem am Hofe selber das Bestreben nach möghe -reicher Ausstattung, auch in Betreff der Farbengebung in Weiterem g etend. Nicht lange, so neigte auch der König dahin, und wurde nun ^nach der Seite überhaupt zum Tonangeber. Als Stoffe gewannen At a