A. Tracht. Deutschland . Besond. Kleid, d. Männer u. Weiber ( 1600 — 1700 ). 1037
Schuhen mit Rosetten kamen, vollzogen sich auch alle etwaigen Wand-lungen und Mischungen, je nach den Oertlichkeiten so oder so bedingt,Wehr bald nach dieser, bald nach jener Seite hin abschwankend. ImGanzen hierbei blieb, besonders in den Städten, die dunklere Färbung,zumeist Schwarz, vorherrschend. Am längsten und in weitester Ver-breitung erhielten sich der Schaube-artige Ueberwurf, die steifgefältelteHalskrause und der hohe aufgesteifte Hut, letzterer folgends gemeinig-lich mit einem der Länge nach ziemlich dicht gefalteten Stoff straff über-zogen. Diese Theile währten an einzelnen Orten, so in Nürnberg ,Augsburg , Ulm , Frankfurt und Strassburg , namentlich als Amts-abzeichen, selbst bis über den Schluss des Jahrhunderts, nur dass dieSchaube etwa seit 1650 häufiger ihre ganzen Ermel u. s. w. gegen kurze,bisweilen aufgebauschte, auch wohl ausserdem mehrfach langgeschlitzte(Schulter-)-Ermel vertauschte. Wamms und Oberschenkelhose dagegenerfuhren, allerdings auch unter örtlichen Schwankungen , versehiedent-lichere Veränderungen. Ersteres wurde hie und da bereits seit der Mitteder fünfziger Jahre, und später allgemeiner, durch die knappe (offen ge-legene) Jacke, und etwa seit dem Ende der sechziger Jahre fast über-all ziemlich gleichmässig durch den längeren, taillelosen Knöpfrock nebstUnterweste, das bauschige Beinkleid aber seit dem ersteren Zeitpunkt,Iheihveise auch schon um Vieles früher, durch die engere geschlosseneoder weitere offne Kniehose verdrängt. An einzelnen Orten eignete mans ‘ch auch etwa seit 1660, hier auf längere, dort auf kürzefe Zeit, denWe ‘ten über die Kniehosen anzuziehenden schurzförmigen Rock, die»Rock-Hose“ an ( Fig. 360), was denn freilich, wie so manches Anderev °n neuem Schnitt, in Verbindung mit den sonst auch beibehaltenen»altfränkischen“ Stücken, wie der Schaube, der gesteiften Krause, demhoheu Hut u. a. m., oft seltsam genug erscheinen liess. Im GanzenIndessen gewannen im Verlaufe der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dieneuen (französischen ) Formen denn doch immer mehr die Ueberhand, sodass sich der Kampf gegen sie, wenigstens in den nördlicheren Ge-bieten, fortan nur noch mehr in dem Bestreben, das Neue mit demAckeren durch ehrbareren Schnitt und grössere Zurückhaltung in derArt der Verwendung zu vermitteln, als In gerade absichtlicher ^ eileug-nung desselben, äusserte. —
In Betreff der weiblichen Kleidung bildeten, ganz ähnlich wie beider männlichen, die hauptsächlichen Theile, welche einer Wandlung zu-meist widerstanden, nächst dem Leibchen, der Hüftwulst des obeien Rocks,die dem männlichen Kragen völlig gleiche steifgefältelte Rundkiause, unddie Kopfbedeckung. Das Leibchen, wie es auch je nach der Oeitlichkeit imEinzelnen wechselte, bewahrte doch nahezu bis gegen die Mitte desJahrhunderts fast durchgängig, in einigen, besonders südlicheren Städ-