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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

vermochten die einmal in vollem Zuge begriffene Gefall- und Prunksuchtirgend aufzuhalten. Und so gings überall.In den Kleidertrachtcnberichtete Hans Georgen von dem Borne als kurfürstlicher Rath in einereigenen Eingabe 1 an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Branden­ burg um 1641beginge man so viel Ausschweifungen, dass keinHandwerker von einem Edelmann, und dieser nicht von einem Fürstenunterschieden zu sein scheine u. s. w.Man brauche statt der wollnenseidene Kleider, man sticke sie mit Gold, und wähle alle vier Wochenneue Fajons und Muster, deren närrische und seltsame Erfindungen nichtzu beschreiben wären . .Unsere Weiber und Töchter können ihrenVorwitz in dieser Vanität nicht genug büssen, sogar dass sie mit dernatürlichen Gestalt und Farbe, so ihnen Gott der Schöpfer gegeben hat,nicht zufrieden seyn, sondern, damit sie weisser und schöner angesehenwerden mögen, waschen sie sich mit gemischten und wohlriechendenWassern, schminken und streichen sich an mit Farben, streuen Poudrede Cypre in Haar, und tragen hohe Sturmhauben» auf dem Kopfe, nichtanders, als wenn sie alles was ihnen vorkommt niederreissen wollten .Darüber erwecken sie ihren Männern so grosses Hertzeieid, dass wenndiese Frieden haben wollen, sie zur Erfüllung ihrer Weiber Begierdenund Lüste alles dasjenige, was sie mit ihrem sauren Schweisse erworbenhaben, zu ihrer Pracht und Hofart anwenden müssen, und sich daduichnebst ihren Kindern in die äusserste Armuth stürzen (u. s. f.).-Wohlwesentlich mit aus diesem Grunde wandten sich nunmehr auch einzelneMänner selbst geradezu an die Behörden mit der dringlichen Mahnung;dagegen kräftigst einzuschreiten. So unter Anderen der Doctor Höpf ierzu Leipzig um 1641 2 an den Senat wegen eines Schneiders, welcherfranzösische Pracht und Hoffart für die Frauenzimmer vontheurenHelssgen und allerlei Hauptgeschmuck und andere neue Moden zu Starkung der verbotenen und verpönten Kleidcrhoffarth zu feilem Kauf a u ®lasse, also dass von Frauen und Jungfrauen ein grosser Concursus, gl elCsam eine Wallfart zu ihm angestellt werde. Da Gott dadurch erzürne*»der Obrigkeit Gebot übertreten und der Stadt ein grosses Unglück z ugezogen werde; . . so sollte die Obrigkeit ihres hohen Amtes handhaben

1Consultatio Politico-Theologica, Vber den gegenwertigen betrübten ^

kümmerlichen Zustandt der Chur vnd Mark Brandenburgh etc. durchGeorgen von dem Borne Churf. Rath vnd Cancelerern bey der Kewrnc ^sehen Regierunge, ged. Franckfurt an der Oder 1641; vergl. (A. B. Ko"Versuch einer historischen Schilderung der Hauptveränderungen u. 8.Residenzstadt Berlin seit den ältesten Zeiten, bis zum Jahre 1786. Berlin ^I. S. 230 ff.; ein "Werk, welches überhaupt treffliche Mittheilungen überWandlungen der Tracht mit besonderer Rücksicht auf Berlin enthält. gg

2 A. Berlepsch. Chronik vom ehrbaren und uralten Schheidergewerk.