A. Tracht. Deutschland . Kleidung der Männer u. Weiher (1600—1650). 1049
und gegen die Förderer und Fortpflanzer der vermaledeiten Kleiderhoffardtmit exemplarischen Strafen verfahren.“ —
Neben dem, freilich ausnehmend stutzerhaften Gebühren beider Ge-schlechter, blieb indessen nicht minder die fortschreitende Verweischungüberhaupt vielfachen Klagen und Angriffen ausgesetzt. Und dies danngegen Ablauf des verheerenden Kriegs und vornämlich nach Beendigungdesselben um so heftiger, als sich seitdem jenes soldatisch grossthuerischeWesen, da es seinen Boden verlor, in dem nun immer allgemeinerenVollzüge der Französirung mehr und mehr, bis zu völligerer Ausgleichung,abschwächte. Hauptsächlich eben diesen Gesammtzug im Auge, dieNachahmungssucht des Französischen im Allgemeinen geisselnd, äus-scrten sich insbesondere zuvörderst, der zu Rostock geborene Professor derDichtkunst und Mathematik Hans Wilmsen Laurenberg (1591—1659)vor allem in seiner Satire 1 „Von Almodischer Kleder-Dracht “, fernerder treffliche Epigrammist Friedrich von Logau (1604—1659), welcherals Mitglied der „fruchtbringenden Gesellschaft“ den Namen der „Ver-kleinernde“ führte, 2 vorzüglich in dem v Französische Kleidung “ über-triebenen Epigramm:
„Diener tragen insgemein ihrer Herren Liverei:
Solls dann sein, dass Frankreich Herr, Deutschland aber Diener sei?
Freies Deutschland, schäm dich doch dieser schnöden Kriecherei 1“
und der eigentliche Schöpfer der deutschen dichterischen Satire 3 JoachimKachel (1618—1669) vorzüglich in folgender, allerdings ziemlich zwang-losen, höchst derben Form:
„Ein jeglich zweites Wort muss jtzt französisch seyn;
Französisch Mund und Bart, französisch alle Sitten, ^
Französisch Rock und Wams, französisch zugeschnitten.
Was immer zu Paris die edle SchneiderzunftHat neulich aufgebracht, auch wider die Vernunft,
Das macht ein Deutscher nach. Sollt ein Franzos es wagen,
Die Sporen auf dem Hut, Schuh an der Hand zu tragen,
Die Stiefel auf dem Kopf, ja Schellen vor dem Bauch,
Anstatt des Nestelwerks: Der Deutsche thiit es auch.
Bei einem sammtnen Rock die groben Leinwandhosen?
Wer hätt es sonst erdacht, als Narren und Franzosen ?
Wenn selber Heraklit den Plunder sollte sehen:
Er liess (mit Gunst gesagt) vor Lachen Einen gehen.“
1 Vergl. „De veer olde berömede Schertz-Gedichte etc. In’t Nedderdütschgerymet dörch Hans Wilhelm L. Rost (Laurenberg). Met eenem Anhänge etc.bedrücket in düssem Jahr (1654).
2 Salomons von Golaw (Logau). Deutscher Sinn-Geticlite Drey Tausend.Breszlau bey Kloszmann (1654: spätere Ausg. Leipzig 1759, 1791 u. 1833).
3 Joachimi Rachelii, Londinensis Zehn Neu verbesserte Teutsche Sa-krische Gedichte. Zum öten mahl aufgelegt etc. Gedruckt zu Freyburg imHopfen gack; (erste Ausg. erschien zu Frankfurt 1664).