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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
mussten. Dazu kam, abgesehen von der Verbreitung des „Bajonets“,die durch Leopold von Dessau im Jahr 1698 veranlasste Einführungeiserner, statt hölzerner Ladestöcke, und eine zweckmässigere Ein-richtung zur Führung und Bergung des Schiessbedarfs (s. unten.) — ImUebrigen erfuhren die Handfeuerwaffen vereinzelt, vor allem die Jagd-und sonstige Luxus-Ge wehre, fortdauernd eine nach Grösse, Gestaltund verzierender Ausstattung höchst mannigfache Durchbildung. So auchkamen zu den schon bekannten Doppelschlössern, Hinterladernu. A. (S. 771) gleichermassen als künstliche Besonderheiten, zum Theilbereits nach Beginn des Jahrhunderts, nicht nur doppelläufigeBüchsen, kleine, zumeist-äusserst zierlich behandelte „Taschen-pistolen“ (engl. „ dags “), kurze, sehr weitläufige „Handmörser“u. dgl. m., sondern auch selbst Büchsen und Pistolen, völlig ähn-lich den heutigen „Revolvern“, mit walzenförmiger, drehbarer Kam-mer zu vier, sechs und acht Schuss. 1
Mit dem zur Führung des Schiessbedarfs erforderlichen Schiess-zeug gingen Veränderungen vorzüglich bei den niederen Truppen kaumminder langsam vor sich, wie mit der Schusswaffe selber. Es betraf diessowohl das Querbandelier mit den daran hängenden Patronen, als auchdie Behältnisse für das „Zündkraut“, die Kugeln u. s. w. (Fig. 379;S. 770). Jene Patronen, bisher meist nur von Holz und lediglich ver-mittelst Riemen oder starker Schnüre befestigt, pflegte man folgendsaus Zinn zu verfertigen, mit Leder zu verkleiden und (statt mit einemStopfel) mit einer charnierbeweglichen Klappe fest zu schliessen, ü ,rCBefestigungsschniive aber durch Ringe zu ziehen derartig, dass die Kap-seln bei allen Bewegungen des Körpers ihre (senkrechte) Lage zu be-haupten vermochten. In noch weiterem Verlauf bis zur Mitte des Jahr-hunderts wurden mehrentheils die (Hänge-) Schnüre der Patronen be-trächtlich gekürzt, und das Querbandelier selber, soweit sich die letzterenerstreckten, einerseits zur Unterlage derselben verbreitert, anderseits z 11derem Schutz mit einer Ueberklappdecke von Leder, auch bisweilengleich mit einer Tasche zu Kugeln und zum Einhängen der „Zündkraut-Flasche“, sowie auch zur Befestigung der Lunte, mit besondern Hakenoder Schleifen ausgestattet (vergl. Fig. 380ab). Nebenher wurden auchdiese Behältnisse an sich, zumal rücksichtlich ihrer Schliesso, vervoll-kommt. Ueberhaupt aber dauerte die Anwendung eines solchen Qucr-bandcliers, ungeachtet cs sich mit seinen vielen Anghängseln und be»dem beständigen Geräusch, welches diese verursachten, nur zu oft als
1 Vgl. Llewelin Meyrick. Sammlung (übers, von G. Fincke) Taf. CXIX>_®>Rockstuhl. Museo d’armes rares etc. de S. M. l'Empereur de toutes les Russiesetc. PI. CXIV, 3.