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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1087
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A. Tracht. Waffen u. Bewaffnung (Heerwesen) im Allgem. (16001700). 1087

hinderlich und verrätherisch erwies, nichtsdestoweniger im Allgemeinenhis gegen den Ablauf der sechsziger Jahre (Fig. 380). Jedoch warendiese Bandeliere auch inzwischen bereits durch eine förmliche Taschem it senkrecht nebeneinander geordneten Patronen, obschon bis dahin aller-dings erst vereinzelt, ersetzt worden. Seit jener Zeit begann nun siedas Bandelier durchgängiger, und bald nach Ablauf der achtziger Jahregänzlich zu verdrängen. Zuvörderst an einem langen Riemen, wie jenes,querüber getragen, ward es seit dieser Zeit zugleich üblich, sie vermittelst -eines Hüftgurts vor den Leib zu schnallen.

Das Heerwesen fand seine Förderung in der Fortsetzung des nie-derländischen, und vor allem im deutschen, dreissigjährigen Kriege*^ohl spielte das Söldnerthum noch immer die Hauptrolle, undWard der deutsche Krieg noch fast lediglich mit Soldtruppen geführt, in-dessen gewannen nun nicht allein die ausserdem hie und da, wie inFrankreich , Holland , Schweden u. a. 0~. unterhaltenen »ständigenGarden' (S. 772) auch praktisch an Bedeutung, vielmehr noch dieKriegskunst als solche an Umfang und Wissenschaftlichkeit. Von nach-haltigster Wirkung darauf wurde das Auftreten der Schweden unterFührung Gustavs II. Adolf. Was einem Heere, wie eben dem seinigen,an Masse abging, wusste er wie kein Anderer durch Umsicht, Mass-haltigkeit und Ordnung zu ersetzen, und selbst bis zu jener Kraft zusteigern, die ihn überall siegen Hess. Und doch bestand sein Geheim-nis wesentlich nur darin, dass er im Gegensatz zu der anderweitig bei-behaltenen schwerfälligen Anordnung im Ganzen und Einzelnen, diethunlichste Erleichterung der Massen zu möglichst rascher Bewegbarkeitbeobachtete. 1 So hauptsächlich beschränkte er die herkömmliche Tief-Stellung bis zu acht und mehr Gliedern, auf nur drei oder höchstensT 'er, sorgte für eine zweckgemässere Aufstellung mit besonderer Berück-sichtigung eines wirksamen Ineinandergreifens des Fussvolkes und derKeiterei, verminderte die Schwere der Bewaffnung, indem er die Pikenauf elf Fuss verkürzte, die Musketen handlicher machte, die Stützgabelndazu abschaffte, die langen Handrohre der Reiterei in »Karabiner ver-handelte, und die sonst noch vorwiegend beliebte völligere Ausrüstungderselben meist bis auf den Kürass nebst kurzem Schooss, Halsberge,Schulterstücke und Sturmhaube beseitigte, während er zu allen dem,has denn freilich dem Ganzen erst wahren Halt verlieh, die Munnszuchtaufs strengste handhabte. Aber so bewältigend sich diese Einrich-tungen von vornherein erwiesen, währte es dessenungeachtet geraume^cit, bis dass man ihre Vorzüge allscitiger zu erkennen vermochte. Erst

1 Vergl. A. Fryxell. Leben Gustav II. Adolfs, Königs von Schweden . AusSchwedischen übersetzt von T. Homberg- Leipzig 1842, I. S. 193 ff.