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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
nach dem Tode des grossen Königs fanden sie, und auch dann vorerstnoch nur vereinzelt, hier und da eifrigere Nachachtung. Immerhinerhielt nun dadurch die Heerführung an sich eine demgemäss andere Ge-stalt, obschon allerdings eine eigentliche Mannszucht, wie jener aufrechtzu erhalten verstand, namentlich in den deutschen Heeren, zufolge ihrernoch stets mehr willkürlichen Zusammensetzung und Verpflegung, garnicht durchzuführen war.
Eine gänzlich durchgreifende Wandlung dagegen vollzog sich, vonFrankreich ausgehend, seit der Mitte des Jahrhunderts. Be-ruhend auf Vermehrung der „ständigen“ Truppen zur Beseitigung desSöldnerthums, schloss sie ab mit der Aufstellung „stehender Heere“und einer festen Heeresverfassuug. Urheber dieses, von dem Zweckeder seitherigen „Garden“ völlig verschiedenen, neuen Systems, und zu-gleich Hauptbeförderer desselben waren, nächst Turenne u. A., vorzüg-lich Le Tellier und Louvois . "Letzterer vor allem, dem der Krieg ein-zige Lebensaufgabe blieb, und dem es auch zur Verstärkung des Heersnie an Mitteln fehlte, hatte die Masse der stehenden Truppen allmäligungemein gesteigert. Statt der vierzehntausend Mann, welche Heinrich IV. besass, vermochte Ludwig XIV. nach dem Frieden von Nimwegen (um 1676) ein Heer von nicht -weniger denn einhundertundvierzigtausendMann aufzustellen. — Die übrigen Mächte folgten Dem, theils nothge-drungen nach, schneller oder langsamer, wie sich dann insbesondereHolland und England erst ziemlich spät dazu entschlossen. Nicht min-der wuchs in ähnlichem Verhältniss auch die Seemacht, in welchemPunkte indessen Frankreich nach seinem Verluste bei La Hogue(um 1692) von den Niederlanden und von England dauernd über-holt wurde. — An Stelle des freien Söldnerthums trat fortan Zwangaus-hebung und Werbung.
Die Gesammtausstattung der Truppen gewann, obgleich ziem-lich langsam, an Regelmässigkeit. Der deutsche Krieg wirkte auch dar-auf günstig zurück. Im Ganzen indessen erstreckte sich dies noch fer-ner, selbst bis über die Mitte des Jahrhunderts, bei weitem mehr auf dieBewaffnung als solche, als etwa auch schon in Verbindung damit aufdie Bekleidung. Wohl ward bereits seit Beginn des dreissigjährigcnKriegs immer gebräuchlicher, einzelne Truppentheile, ausser nach ihrenHauptwaffen, auch nach Farben zu benennen, jedoch bezog sich diesbis zu dessen Schluss noch höchst selten auf die Tracht, sondern zu-meist nur, wie vor, auf ein bestimmtes Abzeichen, und wenn wirklichauf jene, doch auf nur ein Kleidungsstück, das Wamms. So beruhtendie im Heere Gustav Adolfs üblichen Bezeichnungen „grüne“ und „rotheBrigade“ auf der Farbe von Feldzeichen, „weisse Brigade“ auf der Farbeihrer Fahnen, „schwarzes Regiment“ auf der Farbe der Rüstung, uncl