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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Dag Kostüm des 17. Jahrhunderts.

(um 1683) trug, 1 noch völlig demgemäss, aus einem tiefgehendenSchuppenpanzer von blankem Stahl mit halben Armstücken, eineroffenen Sturmhaube mit weissem und rothem Reiherbusch, einem roth-sammtnen Ermelwamms, Panzerhandschuhen, einem stählernen, reich ver-goldeten, mit Türkisen besetzten Streitkolben ( busican), und einemSäbel mit langer, dünn spitziger, mit Gold ausgelegter Damascenerklinge;die Scheide mit Fischhaut überzogen. Jede (Panzer-) Schuppe ziert einkleines vergoldetes, auf dem Halskragen ein grösseres Kreuz, die Arm-Stücke schmücken goldene Rundscheiben mit Löwenköpfen.

Amts-Ornat der " " ..

Der (römisch-)katholische Ornat fuhr fort den 'Wandlungen desZeitgeschmacks zu folgen, ihnen vor allem in Stoff und Verzierungsweiseinsoweit Rechnung zu tragen, als es der gottesdienstliche Zweck irgendgestattete (S. 783 ff.). Mit dem zunehmenden Verblassen des Sinns fürseine kirchlich-künstlerische Bedeutung, schritt derselbe einer Ver-kümmerung nun noch um so mehr entgegen, als sich die Geschmacks-richtung überhaupt, zugleich unter wachsender Abschwächung der kunst-handwerklichen Bethätigungen, eben fast einzig noch in weltlichem Sinnebewegte. Die sonst dazu verwendeten kostbaren Stoffe wurden insbe-sondere, zumal da auch deren Verfertigung zum grossen Theil aufgehörthatte, durch immer leichtere und kunstlosere Gewebe, wie solche dieJetztzeit lieferte, ersetzt. An Stelle der bisher immerhin noch vorzüglichbeliebten, oft reichen Stickereien in farbiger Seide, Perlen u. dergl., tratenallmälig zumeist wenig künstlerisch gewirkte Borten oder irgend ein be-liebiges Tressenwerk, was, je für sich selbständig gefertigt, erst aufgenähtward. Die gediegeneren (durchbrochenen) Weisszeugstickereien, und selbstdas bereits statt ihrer mehrfach benutzte geklöppelte Spitzenwerk, mach-ten dem Scheinprunk mit nur leichthin verzierungsmässig behandeltenTüllgeweben fast gänzlich Platz, und während auch die anderweitigendafür einst so hochgespannten Bethätigungen, wie namentlich die Gold-schmiedekunst, in ihren dahin abzweckenden Arbeiten nicht minder zumblossen Schein hin verflachten, verlor sich denn die Verzierungswciseals solche, da innerhalb ihrer zeitläufigen Gestaltung den kirchlichenZweck kaum noch eigens berücksichtigend, zu völliger Willkühr undGehaltlosigkeit. Daneben unterlag der Ornat auch der Form nachnoch manchem Wechsel. Aus dem Geleise altehrwürdiger Ueberlieferun 0einmal herausgerückt, fiel seine Beschaffung mehr und mehr kenntmss-

1 S. F. A. Frenzel. Der Führer durch das historische Museum zu Dresden .S. 97; S. 100.