B. Geräth. Dar8telIungsform: Spanien , Frankreich (1600—1700). H07
affectirten Gebahrens zu erheben vermochte. Und dennoch, wie weit sichhierin Borromini verlor, wurde selbst er noch überboten, und seinsogenannter „borrominesker Styl“ von Einzelnen, wie vor allem durchden Theatiner-Mönch und Baumeister Camillo Guarini (1624—1685) biszu arger Verwilderung fortgeführt.
Spanien schloss sich den italischen Vorgängen aufs engste an.Um so entschiedener, als sich nun zahlreich spanische Künstler ebenihrer Ausbildung wegen nach Italien begaben, und so fortgesetzt dendort herrschenden Geschmack ihrem Heimathlande mittheilten. Sie, dengegenwärtigen Verhältnissen ihrer Volkstümlichkeit gemäss (S. 934 ff.)noch ganz besonders zu einer mehr nur äusserlich imponirenden, pomp-haften Ausdrucksform hinneigend, daher sich bei ihnen auch Borromini höherer Gunst als Bernini erfreute (S. 1105), blieben denn mehrentheils'bestrebt selbst die italische Geschmacksverirrung eigenschöpferisch nochzu steigern. Dazu kam, dies begünstigend, dass sie ausserdem einerseitsden französischen Vorgängen vielseitigst Folge gaben, anderseits auch,wie vornämlich auf dem Gebiete der Geräthbildung, die „platereske“Verzierungsweise immer noch in Anwendung brachten (S. 813). Undsomit bildete sich allerdings, doch eben nur als Abartung, ein „spa-nischer Barock-Styl“ aus.
Wie in Frankreich sich das Leben gestaltete und der Kunst da-selbst ihre besondere Richtung anwies (S. 945), gewann sie, bei allerauch ihr eigenen barocken Ausschreitung (S. 817), doch ein heitereres,niaassvoller geschlossenes Gepräge, und wusste dies, auch unter eben-falls reicher, mannigfach wechselnder Durchbildung der Einzelformen,nahe bis gegen die Mitte des Jahrhunderts zu bewahren. An demWidersprechenden, was der einmal verirrte Geschmack gewohnheitsmässignait sicli brachte, an dem Missbrauch der Ueberladung, der Wirkung vonbunter Gedrungenheit, fehlte es freilich auch folgends nicht; auch liesssich die Einbusse der Naivetät durch kein, wenn noch so gewandtesErheucheln derselben*verdecken. Immerhin aber fand dies, im Verhält-nis zu Italien , ein beschönigendes Gegengewicht sowohl in einer nochmerklicheren Würdigung der (alt-)classischen Grundformen, als auch indem vorwiegend weltlichen Zuge, dass die Kunst fortfuhr sich wesentlich*ni Dienste des Hofs, zur Vermehrung seines Glanzes, so wie auch, ab-hängig davon, im Dienste der Vornehmen überhaupt, lebensfrisch zu be-tätigen. Wie zunehmend äusserlich, zwanglos und widerspruchsvoll sies ih bewegte, ja so entschieden sie auch im Ganzen den italischen Vor-gängen folgte, entbehrten doch die Ergebnisse des kunstbaulichen Be-triebs, und zumal die der kunsthandwerklichen Geräthbildung, nochkeineswegs eines Gefühls für Anmuth und klarere Formengebung, viel-mehr zeichneten sich insgemein, auch selbst die bei welchen es auf