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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
buchte, vermochte sich doch nur selten über ihre tiefgehende Wirkungzu erheben, das ihr eigene Gepräge des Wüsten, Verworrenen zu ver-leugnen. Aber auch nachdem der Kampf beendet war (seit 1648) hieltseine Nachwirkung die künstlerische Thatkraft noch auf lange hin ge-fesselt. Auch ohne überhaupt zu eigentlich selbständigem Schaffengelangen zu können, überliess sie sich fortan gemeiniglich der Nachahmungfremder, fast einzig französischer Vorbilder. Zwar erhoben sich späterauch wohl wiederum einzelne eigenschöpferische Kräfte, ja gelegentlichselbst von hoher Begabung, wie unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg der vielseitige Andreas Schüler (1662 —1714), indessenwaren und blieben derartige Erscheinungen, ganz abgesehen dass siekaum schon wahrhaft erkannt und gewürdigt wurden, viel zu allein-stehend, als dass sie gleich auf die Gesammtheit hätten einwirken können.Letztere eben folgte dem Alles überfluthenden französischen Strome durch-aus, ihn nun sogar mehrfach, wie namentlich an dem ausnehmend prunk-liebenden sächsischen Hof, zu noch wilderer Schwellung auftreibend.— Die scandinavischen Länder schlossen sich gleichfalls Dem an,theils, wie Schweden , unmittelbarer, anderntheils, wie Dänemark von Deutschland aus, mehr mittelbar. —
Die unter dem stets weitergreifenden Einflüsse Frankreichs sich imAllgemeinen gleichmässiger gestaltende Lebensweise, brachte eine dementsprechende Erweiterung des Begriffs von „Haus und Hof“ mit sich(vergl. S. 818 ff.): So wenigstens etwa nur mit Ausnahme von Süd- Italien , dem südlichen Spanien , der eigentlichen Schweiz und der hoch-nordischen Gebiete, wo das Aussenleben, da überwiegend gebunden durchörtliche Bedingnisse, überhaupt kaum eine Abwandlung, namentlich abernach der Seite, zuliess. In fast allen übrigen Gebieten gewann das„Haus“ nicht nur an Umfang und Regelmässigkeit, sondern auch, ebenin Verbindung damit, durchgängiger ein nach den Ständen verschiede-neres, je eigenheithehes Gepräge. Und dies um so mehr, da fast jedesHaus vorerst noch lediglich für seinen Besitzer aufgeführt und nur vonihm bewohnt wurde, es aber auf Speculation gebaute, zu zeitweis wech-selnder Aufnahme von mehren Familien bestimmte „Miethsbäuserverhältnissmässig wenige gab. War nun eine solche Verschiedenheitauch schon früh in Frankreich , bereits seit Franz I. zu besonderemAusdruck gelangt (S. 820), auch von hier aus schon auf andere Länderübergegangen, hatte sie doch ausserhalb Frankreichs , ausgenommen inRopi, in Oberitalien und Venedig , selbst noch bis gegen die Mitte desJahrhunderts immer nur vereinzelt Nachachtung gefunden. Anderweitbewahrten in Bestellung der Wohnstätte bis dahin auch die Fürsten ,wenigstens im Ganzen, immerhin noch eine gewisse, bescheidenere Maß-haltigkeit, ja mehrentheils dergestalt, dass hierin wohl jeder reicher