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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1113
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B ' Geräth. Kunsthandwerk u. s. w.; Gold- u. Silberschmiede (16001700). 1J13

ren Linienspiel. Wo es darauf ankommen sollte, wirklich Neues vonmehr künstlerischem Inhalte zu beschaffen, wie namentlich bei den vonFürsten und sonstigen Vornehmen vielfach begehrten Prachtgeräthen,musste das Handwerk jetzt dazu die Stütze im eigentlichen Künstlerthumesuchen. Zu erfinden vermochte nur noch letzteres, jenes nur nochauszuführen, in welchem Punkte, dasselbe nun allerdings, gleichsam alsErsatz seines tieferen Verluste, jeden auch noch so ungefügen Stoff voll-kommen zu bemeistern verstand.

Die Gold- und Sil bersch miede wandten sich der neuen Formen-Hebung nur langsam, im Ganzen kaum schon vor Mitte der dreissigerJahre merklicher zu, während ihr Betrieb an sich, zumal in den Nieder-landen und vor allem in Deutschland durch die dortigen Kriege,Überhaupt aber durch die stets weitergreifende Verbreitung von reich be-handelten steinernen, irdnen und gläsernen Geschirren, als auch durchbesondere- Aufwandgesetze, stark beeinträchtigt ward. So vorwiegendeinerseits in Italien und England, andrerseits in Spanien . Hier,wo bereits ein älteres Gesetzallen Silberschmieden und Jedermann verbotSchenktische, Schmuckschränke, Räuchergefässe, Tische, Bilder und an-dere mit Silber verzierte Arbeiten zu verfertigen, zu verkaufen und zukaufen, schritt man gleich seit Philipp UI. (bis 1621) zu einer Erneuerungdesselben, indem man es auffalsches Gold und Silber ausdehnte, und»alle getriebene Arbeit in Gold, Silber und anderen Metallen lediglich anTrinkgefässen und kirchlichen Geräthen gestattete. Freilich hob diesnicht jede Thätigkeit auf, verwies sie jedoch wesentlich auf den rein kirch-lichen Bedarf, daher denn für die Beschaffung alles Uebrigen nunmehrrecht eigentlich Frankreich die Hauptwerkstätte ward und blieb. Dochauch abgesehen davon, fanden die französischen Goldschmiede auchim eigenen Lande, wie besonders in Paris , immerhin noch so vielseitigeBeschäftigung, dass nun sie nicht allein den ersten Rang zu behauptenVermochten, sondern auch hinsichtlich der Behandlung geradezu allgemeinmassgeblich wurden. Was sie vornämlich begünstigte, war der Umstand,dass neben der seit der Erhebung Heinrichs IV. ausschliesslicheren Vor-liebe für kleinere Schmuck- und Prunkgegenstände, Gefässe u. A. ausseltnem Gestein (S. 831), wiederum, ausgehend vom Hofe, der Geschmackfür grössere Pracht- und Schaugeräthe wuchs. Zwar setzte sich dieNeigung, ja selbst in steigendem Grade fort, auch diese Geräthe, minde-stens der Hauptsache nach aus irgend einer kostbaren Steinart (Lapis-lazuli, Achat, Jaspis, Serpentin, Marmor u. dgl.) beschaffen zu lassen,doch machte sich nun ebenso das Verlangen geltend, sie mit Goldschmiede-arbeit, edlen Steinen, Perlen, Emaillen u. s. f. thunlichst reich auszustatten.Aufli wurden abermals demähnliche, ganz aus Metall (Silber, vergoldet,oder Gold) gefertigte Geräthe nicht minder beliebt, wozu, als vereinzelte