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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Liebhaberei, auch noch die Beschaffung derartiger Geräthe aus verschie-denen Metallen (Gold, Silber, Kupfer, Eisen u. s. w.) zusammengesetzt,hinzutrat. — Was in dem Punkte unter Ludwig XIII. , zum Theil nochim Geiste der reineren Renaissance, mannigfach Treffliches auftauchte,ward dann aber unter Ludwig XIV. , wenn eben auch nur der Fülleund Kostbarkeit nach, in weitestem Maass überboten. Hinsichtlich derFormengebung machte sich der neuere (barocke) Geschmack ausschliess-lich geltend. Gleichwie sich, zumal seitens des Königs, die Aufträgehäuften, griff das Bestreben unter den Vornehmen überhaupt es in Schau-stellung des Reichthums einander zuvor zu thun in rasch wachsendemGrade um sich. Und je mehr die Formen an Klarheit verloren, um somehr suchte man durch den Umfang des Einzelnen, durch eine nur äusser-liche „Grossheit,“ sowie auch, zugleich unter Verminderung der Emailli-rung, durch ein buntes Ueberhäufen mit allerlei Zierrath zu imponiren.Auch selbst Künstler wie Claude Ballin , Charles Lebrun u. A., die,wie für viele Zweige des Kunsthandwerks, so auch für diesen Betriebzahlreich Vorbilder lieferten, vermochten nicht sich davon frei zu halten.Schon bald nach der Thronbesteigung des Königs ward es, nach seinemVorgänge, unter den höfischen Ständen üblich, solche. Geräthe auch vongrösstem Umfange, wie mehrarmige Standleuchter, Lehnsessel, Tische u. dgl-,von reichster Ausstattung anzuschaffen. So bis in die achtziger Jahre,wo die Zerrüttung des Staatshaushalts und die allgemeine Verschuldung(S. 947) solchem Aufwande nun allerdings, mithin auch dem Betriebe ansich, zunehmend engere Schranken anwies, und schliesslich (um 1688)sogar dahin drängte, sämmtliche derartige Prachtgeräthe zur Mitbestrei-tung der Kriegskosten, nun ebenfalls nach Vorgang des Königs, einschmelzenund ausmünzen zu lassen. —
Für die Email-Arbeit, so wie für die Email mal er ei insbeson-dere, blieb Frankreich durchaus die Hauptwerkstätte und für das Aus-land die eigentliche Schule (vgl. S. 833). Aber schon unter Heinrich lV-bereitete sich auch auf diesem Gebiete, zumal in Limoges , eine Wandlungvor, welche, der neuen Geschmacksrichtung folgend, von dem rein künst-lerischen Ziele immer weiter ablenkte. Nächstdem dass im Bereiche derGoldschmiedearbeit das Email als Verzierungsmittel mehr und mehr inAbnahme kam, verlor auch die Email-Malerei als solche sowohl demInhalte der Darstellungen wie der Behandlung nach jede festere Begren-zung. Statt der dafür bisher beliebten meist trefflichen Vorbilder, vor-nämlich italischer Meister, wandte sie sich fast einzig der Nachbildungvon Gemälden oder Stichen gleichzeitiger flandrischer und französischerKünstler zu, hauptsächlich nur noch darauf bedacht durch kleinlicheHandgeschicklichkeit und bloss augenfällige Farbengebung schlagend zuwirken. Um dies zu erreichen, ward es nahezu durchweg üblich, für die