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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1115
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B. Geräth. Kunsthandw.: Emailarbeit, Edelsteinschnitt u. 8. w. (16001700). 1)15

auszufiihrende Malerei, auch ohne noch besonderen Werth auf Zeichnungoder Ausdruck zu legen, als Untergrund theils blinkende Zinnfolie, theilsoine ebenfalls glitzernde Goldpunktirung anzuwenden. Die Behandlungvon Grau in Grau (,» grisaille) wurde zunehmend seltner, auch bereitswährend der ersten Hälfte des Jahrhunderts mit wahrem Geschick nurnoch von Einzelnen, wie vor allem von Henry Poncet ausgeübt.Wohlmit zur Beschleunigung des Verfalls trug die Verbreitung des echten(chinesischen) Porzellans bei. Dies wahrscheinlich veranlasste, eben durchdie Art seiner Bemalung, die Erfindung einer eigenen Behandlungsweise,welche noch unter Ludwig XIII. ein Goldschmied von Chateaudeun,Jean Toutin (bis 1650) machte. Ihm, berühmt in Verfertigung des«durchscheinenden Emails, gelang es eine Anzahl verschiedener un-durchsichtiger Glasfarben herzustellen, dergestalt, dass sie sich aufeinem weissgrundirten goldnen Plättchen gleich Wasserfarben behandelnund im Feuer ohne Veränderung verschmelzen liessen. Zugleich in Folgeder dadurch gewonnenen, um so leichteren Ausführbarkeit überhaupt,bemächtigte sich nun dieses Verfahrens auch die Bildnissmalerei, darinsich unter Anderen alsbald Johann Petito von Genf (16071691) grossenRuf erwarb. Wohl anknüpfend an diese Erfindung, wenigstens bereitsin der Frühzeit der Regierung Ludwigs XIV. erfand dann der als Email-maler hochgeschätzte Jacque Nouailher oder Xoylier (geb. 1605) einnoch anderes Verfahren, das er, ausser nach anderen Seiten, vorzugsweisezur Verzierung von mancherlei Kleingeräth, als Tassen, Schalen, Dosen,Uhren, Stockknöpfen u. A. benutzend, höchst gewinnreich ausbeutete.Riese Erfindung bestand darin, Kupfer mit einem eigenen weissen Email-teig zu überziehen, diesen beliebig (stellenweise) zu Figuren, Früchten,Blumen u. dgl. bildnerisch (erhoben) zu gestalten, solches mit Glasfarbenzu bemalen und das Ganze fest zu brennen, also dass es allerdings nahezueinem Porzellangeschirre glich.

Hinsichtlich der Behandlung der Edelsteine verlor, unter steigenderVorherrschaft der Schleiferei, Facettirung und Fassung derselben zu blossenGegenständen des Kleinschinucks, das Ein- und Ausschneiden von Figuren,Wappen u. s. f. oder derEdelsteinschnitt als solcher, ungemein anWerth und Zuspruch, ja gerieth dermaassen in Abnahme, dass selbst ein-zelne künstlichere Verfahrungsarten geradezu abhanden kamen. Auchtrug zu dieser Verkümmerung der inzwischen wiedererfundeneGlas- undKrystallschnitt noch eigens bei (S. 834; u. unt.).

Die Bearbeitung hal bedeier und gerin gerer Steinarten, haupt-sächlich zu grösseren Geräthen, Standgefässen u. A., nahm bei der Nei-gung dafür nicht nur beträchtlich zu, vielmehr erfuhr auch, neben einerErweiterung der damit verbundenen Verzierungsmittel, handwerklich mancheFörderung. So vor allem wurde das im Jahre 1580 von Matthias Brändel