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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

in Schlesien (im Erzgebirge ) erfundene Verfahren, denSerpentinstein auf derDrehbank zu Gefässen abzudrehen, bis zum Jahre 1614 durch MichelBasler und Barthel Börne wesentlich vervollkommt, und folgends auchfür andere, ungefügigere Steinarten, wie um 1650 durch N. Stevens vonDelft zu London für Porphyr, Jaspis, Achat, Basalt u. s. w. angewendet.N. Stevens zeichnete sich, ausser durch grössere Prunkgeräthe von solchemGestein, namentlich durch daraus gedrehte zierliche Becher und Schalenoder Schüsseln aus. Nebenher setzte sich die Kleinbildnerei inSpeckstein, Alabaster und Marmor, in den beiden letzteren Gesteinen nunnoch häufiger unter Anwendung einer stellenweisen Vergoldung, in gleich-falls steigendem Grade fort. Und ebenso die Herstellung von allerleiZierrathen und Figuren durch Einlegen von farbigen Steinen, dieMusiv-Malerei, welche fortan auch zur Ausstattung von Tischplatten undEinsatztafeln zu Möbelwerk vorzüglich verwerthet ward.

Die Elfenbeinschnitzerei blieb in Deutschland , vor allemin Augsburg und Nürnberg in steter Zunahme begriffen (S. 836). Dochnahm sie nun auch in Italien , noch mehr aber in den Niederlanden ,und besonders seit der Mitte des Jahrhunderts auch in Frankreich ,einen bedeutenden Aufschwung. In Frankreich bildete dafür die StadtDieppe den Ausgangspunkt, welche sich darin bereits seit dem Beginndes fünfzehnten Jahrhunderts ziemlich stark bethätigte. Bei der fort-dauernden Beschaffung von blossen Einsatz- oder Zierplatten und reichbebilderten Humpen, Schüsseln u. A., meist in Verbindung mit Silber-arbeit, wandte man sich mit Vorliebe der Herstellung grösserer Geräthezu. Als bildnerischer Schmuck zu Gelassen, die theils, wie vorzugsweisePokale, eine Höhe bis zu drei Fuss erhielten, setzten sich vielfach ältereDarstellungen von anerkannter Beliebtheit fort. Es zählten dazu haupt-sächlich, freilich nun zugleich nicht ohne Hinzufügung von Zierrathen imzeitläufigen Geschmacke, Scenen aus der alten Geschichte und der alt-römischen Götterwelt, Bacchanalien, Schlachten, Gruppen von Genienund nackten Kindern, sehr verschiedene Allegorien, doch auch, nächstheiteren und oft derben Genrescenen, allerlei christliche Darstellungen,die Taufe Christi u. A. m. Ueberhaupt aber dehnte sich der Betriebnun auf das Gesammtgebiet nicht nur der Kleinbildnerei, sondern auchder Geräthbildung aus, zugleich eifrig bemüht dem Zeitgeschmäcke durch-aus zu entsprechen, ja ihn für die Sache einzunehmen. Unter den Werkender eigentlichen Bildnerei begannen, hauptsächlich von katholischer Seitebefördert, kleinere und grössere Crucifixe, mehrentheils mit den Neben-figuren von Maria und Johannes, Altaraufsätze, Statuetten von Heiligenund Märtyrern, christlich - symbolische Darstellungen, Todtenköpfe, bis-weilen mit dem Antlitz Christi janusartig verbunden, u. A. dgl., einevorwiegende Holle zu spielen. Und wurden nun auch nicht minder in