B. Geräth. Kunsthandwerk; Elfenbein- u. Bernsteinarbeit (1600—1700). 1H7
stets weiterer Ausdehnung und mit zunehmender Gewandtheit gefertigtsowohl grössere Tafelaufsätze, nicht selten gleichfalls in Form freistehenderFigurengruppen und in Verbindung mit zierendem Beiwerk, als auchmancherlei Zimmergeräthe, wie, nächst kleineren Kästchen und Truhen,grössere Tischplatten, ja selbst ganze Tische, Stühle, und sogar umfang-reiche Kronleuchter, Candelaber u. s. f. Für die Verfertigung derartigerGeräthe, wie insbesondere der letzteren, war die Drehbank von höchsterBedeutung. Auch schon seither dafür in Anspruch genommen, ward sienun eben aber zu diesem Dienste ungemein vervollkommt, und soauch in ihrer Handhabung, mindestens von Einzelnen, die äussersteMeisterschaft erzielt. Zugleich eine weitere Folge war, dass Einige sichauf Verfertigung von bloss künstlichen Spielereien, von ineinander ruhendenzierlich durchbrochenen Kugeln, unterschiedlichen Kleingegenständen vonäusserster Zartheit u. s. f. verlegten, und dass die Drehkunst überhaupt,selbst auch in fürstlichen Kreisen, zu einer Lieblingsbeschäftigung ward.Mit den in Frankreich , vorzüglich aber in den Niederlanden und Deutsch land in wachsender Zahl sich erhebenden höchst geschickten Elfenbein-drehern, worunter sich die Familie Zick in Nürnberg (1600—1715) vor allemauszeichnete], begannen von höchstgestellten Personen nun gleichsam zuwetteifern, nachdem ihnen hierin August von Sachsen (bis 1586) voran-gegangen war, George 'Wilhelm von Brandenburg (bis 1640), Maxi-milian von Baiern (bis 1651), Kaiser Ferdinand III. (bis 1657), Ferdi-nand Maria von Baiern (bis 1679) und Kaiser Leopold I. (bis 1705),was denn hauptsächlich Veranlassung gab diese Bethätigung an sich alseine der „höchsten und edelsten Künste" darzustellen und sogar in langenhochstelzigen Dichtungen zu besingen. 1 — Ebenso wie das Elfenbein,wurden nun immer häufiger auch die Zähne des Nilpferds, Wallrossesund Narvalls behandelt. ,
Der Bernstein , bisher gemeiniglich nur zu verzierenden Einsatz-Stücken, kleinen Schmucksachen u. dergl. verwendet, ward, vornämlichin Deutschland , in steigendem Grade beliebt, und seit der Mitte desJahrhunderts auch, ausser mit blossen Schnitzwerkzeugen, ähnlich wieJas Elfenbein auf der Drehbank zu sehr verschiedenen Prunkgegenständenverarbeitet, freilich im Ganzen mehr nur handgeschicklich, denn mitkünstlerischem Sinn. Diese Gegenstände 2 bestanden theils in völlig rundbehandelten Figuren, einzeln oder zu Gruppen verbunden, und in halb-erhobenen Arbeiten, theils in mancherlei Geräthen, als Schalen, Flaschen,
1 S. einzelne Proben solcher Dichtungen bei F. Trautmann . Kunst undKunstgewerbe etc. S. 56.
2 Eine der bedeutentsten Sammlungen der Art besitzt das königl. Museumzu Berlin . Vgl. F. Kugler. Beschreibung der königl. Kunstkammer u. s. w.8. 267 ff.