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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Krügen, Pokalen, Dosen, Kästchen, Schränken u. A., theils auch inbloss künstlichen Drechseleien und in eigentlichen Schaustücken, letzteremehrfach in Form von ganz frei durehgebildeten Landschaften, unter-mischt mit Baulichkeiten, bisweilen von ziemlichem Umfange. Da derBernstein nur selten in grösseren Stücken gefunden wird, erforderte dieHerstellung von ausgedehnteren Werken eine Zusammenfügung von Ein-zeltheilen. Sie ward mit äusserstem Geschick ausgeübt, und dabei dannmehrentheils auch die verschiedene Färbung des Stoffs zu einem gleich-sam malerischen Wechsel mit nicht minderer Gewandtheit verwerthet.
Zu noch sonstigen Naturerzeugnissen, welche neben ihrer fort-dauernden Benutzung zu rein verzierender Ausstattung gleichfalls erstjetzt zur Herstellung von selbständigeren Arbeiten durch Schnitzerei undDrechselei recht eigentlich in Aufnahme kamen, zählten die Schalen derPerlenmutter, die weisse und vorzüglich die rothe Koralle, dasHorn, vor allem des Rhinozeros, das Schildpad und die Kokosnuss.So ward nunmehr hauptsächlich die Perlenmutter zu allerlei halb-erhobenen „Muschelschnitten," als figürlichen Darstellungen, Bildnissenu. A., so wie auch zu Eingravirungen von gleichem und anderweitigemInhalte verwendet; die Korallen einestheils mit Rücksicht auf ihrenatürliche pflanzenförmige Verzweigung, anderntheils ohne Rücksichtdarauf, zu mancherlei wunderlichen Schaustücken und Kleinzierrathenumgestaltet; das Horn zumeist, wie seither, zu Gefässen ausgedrehtund verzierungsmässig ausgeschnitzt; die Kokosnuss desgleichen, dochsie nun auch häufiger zu flachen oder leichtgewölbten Platten zerschnittenund dann wie die Perlenmutter behandelt, auch bisweilen, wie das Elfen-bein und der Bernstein, zu grösseren Geräthen u. dergl. wieder ver-bunden; und das Schildpad, bei mehrfach ganz demähnlieher Behand-lung, folgends ausserdem gegossen und gepresst, zu Schmuckgeräthen,wie Schränkchen, Kästchen, Büchsen, Dosen u. s. w., meist in Formvon Belegplatten verarbeitet: — Alles dies gemeiniglich in Verbindungmit goldenen oder silbernen Beschlägen und Einfassungen.
Die Holzar beit wurde in ihren einzelnen Betriebszweigen zu-vörderst noch in herkömmlicher Weise fortgeübt (S. 836 ff.), wobei derSchnitzerei, insbesondere in ihrer mehr selbständig künstlerischenBethätigung nicht unwesentlich zu Gute kam, dass von den älterenElfenbeinschnitzern sich viele der geschickteren auf die Holzbildnereiverlegten. Dessen ungeachtet nahm der Geschmack für eigentliche Kunst-schnitzwerke , wie namentlich für grössere Statuen und sonstige figürlicheBildnereien, selbst für kirchliche Zwecke, und später auch die Vorliebefür kleinere derartige Arbeiten, wie Bildnisse u. dergl., bedeutend ab.Um so mehr aber wandten fortan auch wirkliche Schnitz-Künstlerihre Kräfte theils der nur verzierenden Ausstattung, theils jedoch auch