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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1119
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B. Geräth. Kunsthandwerk u. s. w.: Holzarbeit (16001700). 1119

einer ausschliesslich eigenthätigen Beschaffung von allerlei Prunkgeräthenzu wohnräumlichem Schmucke zu. Doch währte dies eben kaum überden Schluss des ersten Drittheils des Jahrhunderts hinaus, von da andenn die Holzbildnerei überhaupt fast einzig noch in engster Verbindung®it der Schreinerei als solcher fortlebte. Die Schreinerarbeitan sich erfuhr, bei einstweiliger Fortverwerthung aller von ihr bereitsaufgenommenen Verzierungsmittel (S. 837), schon bald, und nur wenigerspäter auch in dem Punkte vorzugsweise, manche Neuerung. In derGestaltung der Grundformen der Mehrzahl der von ihr zu beschaffendenGegenstände, vor allem des grösseren Möbelwerks, wie der Schränke,Schau- und Anrichtetische, der Koffer, Laden oder Truhen u. s. w.,zwar noch immer den Wandlungen der baulichen Grundgestaltungfolgend, gewann sie doch auch demgegenüber, eben mit der zunehmendwillkürlicheren Behandlung dieser Gestaltung, an Freiheit. Ohne sichdann davon noch gerade durchaus bestimmen zu lassen, bildete sie all-mälig -vornämlich gegen Ende des Jahrhunderts auch eigens Einzel-formen aus, welche nun zum Theil selbst die Bauform beeinflussten(S. 1109). Als ausnehmende Prachtmöbel von vorwiegend künstlicherund künstlerischer Beschaffenheit, behaupteten sich in erster Reihe die»Kunstschränke (S. 839) nahezu bis zum Schluss des Jahrhunderts,freilich nicht ohne zugleich eine den Wandlungen des Geschmacks ge-mässe Fort- und Umbildung durchzumachen. Alle mit diesen Wand-lungen verbundenen Erfindungen innerhalb des Betriebs wurden denn vorallem auch dafür mit der grössten Sorgfalt verwerthet. Sowohl in Ver-fortigung dieser Geräthe, als auch in solchen Erfindungen, bewahrteninsbesondere Augsburg und Nürnberg ihren wohlbegründeten Ruf.So unter anderem wurde in Nürnberg durch den Schreiner (V) JacobHepner 1 (bis 1649)]das geflammte (wellige) Hobeln in Eben- undanderer Holzarbeit erstlich anhero gebracht, und davon schöne Kästlein,Kähmen und anderes gemacht, und in Augsburg damit begonnenSchränke, Truhen u. A.mit künstlichen Ueberzügen von vergoldetemKappendeckel, (bunten) Spickein von Seidenzeugen u. dergl. zu ver-zieren, in welcher Arbeit sich um das Jahr 1636 die dortigen Futteral-ßiacher Zacharias und Salomo Bruglocher namentlich hervorthaten. 2Zudem erfreuten sich daselbst als Verfertiger von Kunstschränken einesausgezeichneten Rufs (um 1623) Georg Härtel, und mehr noch dieSchreiner Melchior Baumgärtner , Heinrich Eichler von Lippstadt in

1 S. Johann Neudörffers Nachrichten u. s. w. nebst der FortsetzungTon Andreas Gulden. S. 83.

P. von Stetten. KunBt-, Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reiohs-btadt Augsburg. S. 114 ff.