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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
ausgezeichnet, dass sie den Absatz der Venetianer an „gestreckten“ Tafeln,welche diese nur zu liefern vermochten, wenn auch nicht eben aufhoben,doch beträchtlich verminderten. — In Deutschland setzte sich, mitden üblichen Verfahrungsarten, vorzugsweise die Verfertigung von walzen-förmigen Trinkgeschirren oder „Humpen“ mit aufgebrannten Bildern inweiterer Ausdehnung fort (S. 847). Sie gewann an Vielseitigkeit undbis gegen die Mitte des Jahrhunderts auch künstlerisch an Werth. Esbetraf dies sowohl die bildlichen Darstellungen an sich, als auch dieWeise der Ausführung, und, wenngleich in mehr untergeordnetem Maasse,auch die Formen als solche. So wenigstens kamen neben den, wie seit-her einfach walzenförmigen (Deckel-) Gläsern, theils ähnliche Gläser,doch mit angeschmolzenen gläsernen Füssen , gewöhnlich aus drei Kugelnbestehend, theils vier- und inehrfläehige Gläser, eben solche Flaschen,zum Theil mit gläsernen Stöpseln, u. A. auf. Die Darstellungen abervervielfältigten sich, indem man unter Beibehalt der herkömmlichen, nächstmannigfachst Figürlichem, auch die Landschaft heranzog, während dieAusführung nun durch einzelne Künstler insbesondere ihre Förderungfand. Neben der freilich noch immer überwiegend handwerksmässige"Behandlung des Bildlichen mit undurchsichtigen Farben, bewegt®sich die Bemalung fortan nicht nur hierin mit zunehmender Gewandtheit,sondern ausserdem, als neu in einer Verwerthung durchscheinenderTöne. Sie beschränkte sich auf nur wenige Farben in zartester Verbin'düng, theils auch lediglich auf Schwarz oder (Sepia-) Braun. Und wähltendie Maler nun zu derartig auszuführenden Bildern, ausser eigenen Erfin-dungen, auch vielfach Erfindungen anderer Künstler, wie denn folgendsvornämlich von J. Bassano , R. Sadler u. A. Besonders berühmt insolchen Malereien hauptsächlich auf Deckel-Gläsern waren Johan SchafC rin Nürnberg (gest. 1670), Hans Benchert (um 1677) und J. Keill («* n1675). — Hinsichtlich der Herstellung farbiger Glasflüsse wurdevon nachhaltiger Bedeutung die durch Kunkel, den Alchimisten FriedrichWilhelm’s von Brandenburg , zu Potsdam nach 1650 mehr zufällig gemachteErfindung des tiefrothen „Rubinglases,“ während anderseits in Nürnberg um 1670 ein eigenes Verfahren aufkam halberhobene Glasspiegel ohneFolie herzustellen. Auch gelangte man nach der Mitte des Jahrhundertsvereinzelt dahin Gefässe nach altvenetianischer Art, mit bunten, ang e "schmolzenen, erhobenen Zierrathen zu verfertigen, wobei nun, vorzüglichals Deckelschmuck, der (doppelköpfige) Reichs-Adler sehr beliebt ward.
Nebenher erhob sich die Glas-Schleiferei und der künstlicheGlas-Schnitt. Die Erfindung oder wohl eigentlich Wiedererfindungdieser Verfahrungsweisen geschah durch Caspar Lehmann zu Prag iinJahre 1609, und fand gleich so günstige Aufnahme, dass derselbe vomKaiser Rudolf II , ein Privilegium darauf erhielt. Das Schneiden oder