B. Geräth, Kunsthandwerk u. s. w.: Glasarbeit, Töpferei (1600—1700). H27
Einschleifen selber wurde vermittelst des Diamauts und des Rades be-werkstelligt. Von Lehmann ging die Behandlungsweise zunächst aufseine Lehrlinge über, unter denen sich namentlich Georg Schwanhardder ältere, geboren 1601 zu Rothenburg im Hennebergischen, so ausge-zeichnet bethätigte, dass nach dem Tode Lehmanns dessen Privilegiumauf ihn überging. Doch schon im Jahre 1620 wandte er sich nachNürnberg , wo er dem Hanns Wessler folgte, 1 welcher „Wessler dererste gewesen, so das Glasschneiden in Nürnberg gebracht.“ Sich da-selbst niedcrlasscnd steigerte sich sein Ruf ungemein, und fertigte erunter anderem „vielerley schöne Emblemata, Landschaften und Grotesken-werk, auf unterschiedliche Manieren und Arten geschnitten, dafür, sonder-lich von hohen Potentaten, ein ziemlich Geld bezahlt wird.“ Er starbum 1677. Im Verein mit ihm arbeiteten seine Söhne, und setzten nachseinem Tode den Betrieb fort. Seinem älteren Sohne, Georg (gest. 1676)gelang es im Jahre 1671 ein Aetzwasser zu erfinden, und damit „schöneProben zu thuen, wie denn Figuren in Glasscheiben zu beizen, dass dieSchriften erhoben gewesen,“ welche Kunst dann „der jüngere Sohn, in-gleichem seine Magd Catharina, so er lange hernach geheurathet hat,cbenmässig fortübten.“ „Sein jüngerer Sohn Heinrich aber (gest. 1693)hat nicht minder schöne Arbeit mit gutem Verstand gemacht, sonderlichist er lateinische Schriften auf italienische Art und Manier, mit freudigemZugwerk (versehlungnen Zügen) zu schneiden, sehr künstlich.“ Undebenso waren „gedachten Georg Schwanhards drei Töchter, als FrauSophia (gest. 1657), Snsanna (gest. 1658) und Maria (gest. 1669) imUlasschneiden schöner Blumen und Laubwerk soweit gekommen, dassviele ausländische vornehme Herrn nagh ihrer Arbeit gestrebet, und die-selbe an sich erkauft haben.“ Mit ihnen wetteiferte in Augsburg unterAnderen Johan Eost, namentlich in der Ausführung von Blumen, Laub-werk u. dergl. — Inzwischen griff der Glasschnitt in immer weiteremUmfange um sich. So vorzugsweise in Böhmen , wo derselbe etwa seitden siebenziger Jahren bereits im Grossen betrieben ward. Die Fort-schritte welche die dortigen Glashütten sowohl in Beschaffung von viel-fach zierlichen Formen, als auch in Herstellung eines durchaus klaren(»Krystall“-) Glases machten, kam dem besonders zu Gute. Ueberhauptaber wuchs die Vorliebe für nun derartig verzierte Gläser in dem Maasse,.dass diese mindestens seit dem Ende der achtziger Jahre fast alle sonstigenKunstgläser nahezu verdrängten. —
Die Töpferei liess einerseits auch ferner nicht unversucht, sichnaehr kunstgemäss zu bethätigen; so vor allen in Italien auch in deraj oli ca-Arbeit, jedoch ohne dass es ihr gelang diesen Betriebszweig^
1 J. 17eudörffers Nachrichten etc. S. 80.