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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

iwiederum zu heben. Seitdem derselbe im Herzogthume Urbino nachdem Ableben Guido Ubaldos II. einmal in Abnahme gerathen war (S. 849),und daselbst nunmehr, im Verlauf der zwanziger Jahre gänzlich aufhörte,ging denn hiermit auch den anderweitigen Majolica-Werkstätten für eineeigentlich künstlerische Behandlung der Maassstab verloren. Auch sahensich von diesen Werkstätten (S. 850) schon bald nach Beginn des Jahr-hunderts mehre dazu gedrängt, ihre Arbeit einzustellen, so dass sich derBetrieb auf nur wenige Orte beschränkte, wo er dann allerdings bisgegen Ende des Jahrhunderts in schwacher Nachblüthe fortlebte. Aussereinigen Werkstätten zu Siena und Savona , welche sich bei ziemlichmatter Fortführung der malerischen Behandlung bis in die dreissigerJahre erhielten, wussten sich solche bis zu jenem späten Zeitpunktfast nur zu Castelli im Königreiche Neapel , und in Venedig zu be-haupten. Jene wie diese waren vielseitig thätig, die zu Castelli ins*besondere auch noch insofern, als sie unter der Mitwirkung einer Maler-familie de Grue, namentlich Francesco Antonios (um 1677) und FrancescoSaverinos, nicht ohne Gewandtheit arbeitete. Auch soll der letztere daseinst von Jacomo Lanfranco erfundene Verfahren der Goldtonung(S. 849) abermals erfunden haben. Ipdessen, obschon geschickt in derZeichnung, blieb doch ihre Malerei in Ausführung und Farbengebungbis zur Vernachlässigung zurück. Zu Venedig ward vorwiegend reinhandwerksmässig verfahren. Die dortige Werkstätte lieferte allerlei Ge-brauchsgeschirr von meist sehr oberflächlicher Behandlung, darunter vor-züglich Platten und Schüsseln mit nur leichthin bemaltem Grunde, derenRänder gemeiniglich Früchte in erhobener Arbeit bedeckten. Inzwischentauchte ein neues Verfahren, wenigstens seiner Verwerthung nach alsneu, in der Citta di Castello in der Romagna auf. Es war eineVerwendung des früher von einzelnen hochbegabten Künstlern zur Ver-zierung von Wandflächen geübtensgraffito zur Ausstattung von irdenemGeschirr, und bestand darin letzteres, statt zu verglasen, zunächst nurmit Firniss zu überziehen, und die Zeichnung, statt aufzumalen, miteinem Griffel einzuritzen, also dass sie, bei etwaigem weissen (Kreide-)Ueberzug, in der (rothen) Farbe des Tons erschien, und hierauf dasGanze mit einem durchsichtigen Flusse ( mezzacotta) von grünlichemKupferoxyd zu überschmelzen. Doch wurden auch diese Geschirredurchgängig nur leichthin, handwerksmässig gefertigt. Die Verarbei-tung des Steinguts gewann beständig an Ausdehnung. Die einmalgewohnten Formen noch mindestens bis gegen den Schluss der dreissigerJahre mehrentheils beibehaltend, wandte sie sich dann auch einer demnun zeitläufigen Geschmacke entsprechenderen Behandlung zu. Ohneeinen ihrer Betriebszweige gerade aufzugeben, nahm sie doch von Be-schaffung umfassenderer Werke, wie Kanzeln, Altären u. dergl. mehr