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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1129
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B. Geriith. Kunsthandw. u. s. w. Töpferei (Porcellan), Wirkerei (16001700). 1129

und mehr Abstand, sich dagegen um so eifriger, ausser in fortgesetzterBeschaffung der so beliebten (Deckel-) Krüge (S. 854), in Verfertigungvon Kannen, Schüsseln, Näpfen, Tellern u. A., wie überhaupt vonsolchen Geschirren bethätigend, welche zumeist geeignet waren die dochimmerhin weit kostbareren zinnernen Geräthe zu ersetzen. Mit denVersuchen zur Herstellung einer dem (chinesischen) Porcellan durchausgleichen Masse, wollte es noch immer nicht glücken. In Italien hattensolche Bemühungen nahezu aufgehört; auch an anderen Orten liess manallmälig davon ab, sich mit den Ergebnissen rücksichtlich derFaience begnügend (S. 850). Und so verblieb es im Allgemeinen bis gegen Endedes Jahrhunderts, während inzwischen die Vorliebe für das echte oder»japanische Porcellan aber um so mehr, ja unter den Vornehmen, wieinsbesondere bei einzelnen Fürsten, bis zu einem Umfange wuchs, derselbst vom staats-ökonomischen Standpunkte aus gerechte Bedenken er-regte. Dies war vornämlich in Sachsen unter Kurfürst Friedrich August 1. (seit 1694) der Fall, dessen Neigung für derartige höchstkostbare Geschirre, und demzufolge auch hei seinen Hofleuten, zu einerWahrhaften Sucht ausartete, dergestalt dass dem Lande einzig dadurchalljährlich ungemeine Summen entzogen wurden. Wesentlich um dem zubegegnen, nahm der Mathematiker und Philosoph von Tzschimhausendaselbst den Gegenstand abermals auf, sieh mit allen Kräften ihm wid-mend. Aber wie eifrig er sich auch um einen heimischen Ersatz für»Sachsens porcellancne Schröpfköpfe bemühte, kam doch auch er nichtz um Ziel. Alles was er in der von ihm auf der Ostrawiese vor Dresden eingerichteten Glashütte (um 1699) erreichte, bestand immerhin nur inWeissen nichtglasirten Gefässen, welche, abgedreht und gebrannt, wohlmilchglasartig, doch weder in Härte noch Feuerbeständigkeit dem echtenBorcellan irgend gleich erschienen. Und nur zu einem ähnlichen Ergeb-niss war man auch in Frankreich gelangt, wo seit 1695 zuerst inCloud, dann in Vinceunes, eine solche Masse, hier nun allerdingsgleich unter dem Namen eines Porcellanspätendre, verarbeitetWard, _

In der Wirkerei, vorzüglich von Teppichen zu AVandverkleidungentmd sonstigen Bezügen, schritt Frankreich zu hoher Vollendung vor,alle übrigen Werkstätten der Art, selbst auch die flandrischen, weit über-holend. Zu den dort bestehenden Anstalten (S. 856) kamen die derGobelins, dieSavonnerie, zu Chaillot, die derFoubourg St. Germain,*md eine in den Tuillerien hinzu. Ueberdies hatte sich der Betrieb einereifrigen Unterstützung des Ministers Colbert zu erfreuen; so vor allem^er der Gobelins, wonach denn diese Art der Wirkerei, da eben nuna Uch im grossartigen Maassstabe betrieben, fast sämmtliche anderweitigenbehänd]ungsweisen immer mehr in den Hintergrund drängte. Nächstdem