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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

entstand, neben anderen minder bedeutenden Anstalten, in Baiern unter dem Kurfürsten Maximilian I. (16261651) eine grössere Werk-stätte, die gleichfalls Vorzügliches leistete, jedoch, weit entfernt davonmit Frankreich wetteifern zu können, zumeist nur für den bairischenHof thätig war. Die Stickerei trat beträchtlich zurück, fortan ge-meiniglich nur noch als eine Lieblingsbeschäftigung von Damen, und soüberhaupt fast einzig noch zur Ausstattung von kleineren Flächen be-trieben. Die Verwendung des Leders dagegen, einfach oder buntgemustert bepresst, zu Wandtapeten, Möbelbezügen u. dergl., nahm,wenigsten noch bis zu Ende der vierziger Jahre, im Allgemeinen starkzu, wurde dann aber um so mehr eingeschränkt, als es seitdem zu-nehmend üblicher wurde sich auch zu solchen Zwecken, wie selbst zuvölliger Bedeckung von Wandflächen, gewebter Stoffe (Atlas, Seide, Baum-wolle u. A.) zu bedienen.

Die Ausstattung der Wolmräume durch Tafelbilder, Spiegel,Wand- und Stand-Uhren wurde unter den höheren und begüter-teren Ständen nun ziemlich allgemein, ja fand bei ihnen zum Thcil, alsModesache, eine besondere Beachtung und Steigerung, wie es denn unterden Fürsten und anderen Vornehmen »bald selbst zum guten Ton gehörte,Gemälde von nahmhaften Künstlern zu sammeln, und in sogenanntenGallerien zu vereinigen. Der Aufwand in Spiegeln, und damitauch die Kostbarkeit.ihrer Umrahmungen, wuchs in dem gleichen Grade,in welchem die Verfertigung des Spiegeltafelglases sich vervollkommte(S. 1125), da es denn, eben in Folge dessen, zugleich üblicher wardauch in der Grösse solcher Tafeln zu wetteifern. Der Verbreitungvon Zimmer-Uhren kamen, ausser einer bald fabrikmässigeren Her-stellung derselben, worin sich nächst Deutschland die Schweiz undEngland auszeichneten, mehre wesentliche Verbesserungen zu Gute.Dahin gehören die gleich zu Anfang des Jahrhunderts erfundeneSchnecke, wodurch die Gleichmässigkeit im Gange der Feder gesichertward, und die durch den Holländer Christian Huyghens im Jahre 1647gemachte Erfindung desPendels, der sodann, nächst der Veränderungder Federn in den Tasehen-Uhren zu wirklichen Spiralfedern, durch denEngländer Clement im Jahre 1680 die Hemmung durch denenglischenHaken für die grösseren Uhren folgte. In Verbindung damit vollzogsich, abgesehen von den Taschen-Uhren, ein nach Maassgabe der Ge-schmacksrichtung sehr verschiedener Wechsel in Form und Verzierungder Uhr-Gehäuse, wofür gegen Ende des Jahrhunderts dieBoule-Arbeit vorzüglich gesucht wurde (S. 1120). Bei alle dem liebte mannoch mehrfach, namentlich bis in die fünfziger Jahre, mit dem Uhrwerkean sich allerlei künstliche Nebenwerke und blosse Kunstspielereien z uvereinigen. So unter anderemliess Kaiser Ferdinand III. im Jahre