B. Geräth. Hausgeräfh; Tafelgeschirr: Gefässe (1600—1700). 1131
1655 in Augsburg , wahrscheinlich von Johannes Buschmann (S. 1122),ein Uhrwerk verfertigen, das er durch die Missionare von Jesuiten demKaiser von China zum Geschenk machte. 1 Dasselbe hatte drei Abthei-lungen: Unten war ein Orgelwerk, welches verschiedene Stücke spielte,inmitten eine katoptrische Kammer, oben eine chinesische Uhr nebst einerastronomischen Sphäre, welche die Bewegungen der Sterne und desHimmels anzeigte.“ —
Was nun die Geräthe im Einzelnen betrifft, so kam als Ergeb-nis wachsender Bedürfnisse mancherlei Neues auf; während Anderes,zum Theil dadurch ersetzt, als nicht mehr zweckgemäss oder doch alsgeschmackswidrig verschwand.
So erfuhr das Tafelgeräth sammt den Trink- und Giessgefässen,Tafelaufsätzen u. dergh, neben einer Erweiterung im Ganzen, auch, wievor allem hinsichtlich der Verschiedenartigkeit seiner Bestandtlieile, einegewisse Verminderung: Die „Brunnen “ und „Dreifüsse“ kamennunmehrj bereits vor Ende des zweiten Jahrzehnts gänzlich ab; des-gleichen, obschon erst seit den fünfziger Jahren, die „Schiffe“ undschiffsförmigen Bestecke (S. 868), während sich, vornämlich seitderselben Zeit, auch aus der Reihe der Giess- und Trinkgefiisse die viel-fältigst absonderlich gestalteten bei weitem der Mehrzahl nach ver-loren (vergl. S. 876). Ausserdem aber wurden, abgesehen von einerVermannigfachung des eigentlichen Speisegeräths , jene Tafelbesteckeoder „Nefs“ fast ohne Ausnahme durch die dem Zwecke entsprechenderen,kofferartigen „Cadenas“ (S. 868), und die unterschiedlichen kunstvollerenTafelaufsätze gemeiniglicher durch umfangreichere, doch mehr nur aufden Schein hin behandelte Geräthe ersetzt. Letztere, nach der Mittedes Jahrhunderts vorherrschend in Vasenform mit allerlei verzierendem,figürlichem und sonstigem Beiwerk beliebt, erhielten dann häufiger nocheinen besonderen Schmuck durch einen Einsatz von natürlichen oderkünstlichen zu einem Strauss geordneten Blumen.
Die Trinkgefässe bewegten sich bei der fortschreitenden Ver-minderung ihrer (Sonder-) Gestaltungen schliesslich fast nur noch in denausgeprägteren Formen von Humpen, Kelchen, Bechern und Schalen.Nichtsdestoweniger behaupteten sie auch innerhalb dieser Begrenzungeine grosse Mannigfaltigkeit. Hinsichtlich der dafür zu verwendendenStoffe trat überhaupt kein eigentlicher Wechsel ein, obschon allerdingseinzelne allmälig mehr ausser Gebrauch kamen. Zudem aber fand dieVermannigfachung der Formen auch wiederum einen Hebel sowohl inder noch weiteren Verbreitung der (Kunst-) Gläser, als auch besonders
1 P. v. Stetten. Kunst-Ge werb- und Handwerks - Geschichte der Reichs»Stadt Augsburg. S. 185 ff.