B. Gteräth. Hausgeräth; Tafelgeschirr: Gefässe (1600—1700). 1133
Schätzung fort, ja machte sicli bis gegen Mitte des Jahrhunderts auchnoch mehre von ihr vordem wenig beliebte Formen durchaus zu eigen.Wie von da an einerseits die Liebhaberei für Gefässe aus Elfenbein ab-nohm, blieb es anderseits selbst nicht aus, dass sie von den Gestaltungendieser Gefässe einige, wie die der walzenförmigen (Deckel-) Humpenaufnahm. Und diese nun zumeist aus Silber getriebnen, auch stellenweisevergoldeten Humpen, erfreuten sich bei aller Abschwächung ihreskünstlerischen Werths nichtsdestoweniger bis tief in die achtziger Jahredes grössten Beifalls (vergl. Fig, 384 b). Vor allem aber ward fort-dauernd der eigentliche Kelch gänzlich von Metall, hauptsächlich vonSilber, sowohl rein als auch in völliger oder nur theilweiser Vergoldunggefertigt, und auch in seiner Durchbildung mit besonderer Vorliebe be-handelt. Freilich musste sich auch dies Gefäss dem Geschmackswechselfügen, und so sich auch namentlich seit den siebenziger Jahren eine Ver-zierung mit allerlei wunderlichem Schnörkelwerk gefallen lassen (Fig, 384 a)[;dennoch bewahrte, eben jenem Umstande zu folge, gerade der Kelch,gegenüber den sonstigen Gefässen, ein zumeist kunstgemäss erscheinendesGesammtgepräge. Nebenher ward es üblich gelegentlich seine Küpe oderden Fuss, auch wohl beides zugleich, ebenso die metallnen Becher undHumpen, ähnlich wie schon seither die „Willkommen,“ (S. 878), durchEinfügung von Schau- und Gedenkmünzen zu schmücken, diese mit denanderweitigen getriebenen Zierrathen zu verbinden. Die „Willkom-men“ selber vererbten sich grossen Theils, zumal in ihrer Eigenschaftals Innungs- oder Zunftstubengeräthe. Doch auch falls sie neu beschafftWurden, geschah dies fast durchgängig, wenn auch nicht ohne Rücksichtauf den jeweilig herrschenden Geschmack, im engeren Anschluss an diedafür einmal bestehenden Formen. Noch sonst aber erhielten sich vonden metallnen Gefässen, ausser einigen minder auffällig gestalteten, dieals Doppelgefässe behandelten „Credenzbccher“ mehrentheils selbstohne irgend durchgreifenden Wechsel bis in den Anfang der sechszigerJahre als sehr beliebt (S.878). — Von den gläsernen Gefässen fanden,nächst den immer verschiedenförmiger durchgebildeten venetianischen■Mdlefioren, Milch- und Fadengläsern, die hohen walzenförmigen (Deckel-)Humpen, einfach oder mit aufgeschmelzten farbigen Darstellungen(S. 1126) zunehmend weitere Verbreitung; jene wenngleich fortdauerndmehr als Prunkgeschirre vorwiegend nur bis gegen die Mitte, die Humpendagegen, nun auch für den gewöhnlicheren Bedarf, über den Schluss desJahrhunderts hinaus. Als neu aber tauchten daneben, allerdings wiederummehr nur als kostbare Schaustücke, einestheils die durchaus farblosenSßschliffen en „ Krystallgläser “ mit eingeschnittenen Zierrathen,a nderntheils, ausser noch sonstigen (ein-) farbigen geschliffenen Gläsern,die prächtigen „Kunkel’schen Rubingläser“ auf (S. 1126), bei welchen