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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

Gefässen insgesammt die Formen des Bechers und des (Deckel-) Kelchesvorherrschten. Demgegenüber verminderte sich beträchtlich die Lieb-haberei für Trinkgefässe aus edelerem Gestein und Majolica, so wie auchfür eine Verzierung durch Einfassungen von Goldschmiedearbeit; des-gleichen, seit den fünfziger Jahren, für Gefasse aus einzelnen Natur-erzeugnissen, wie Strausseneiern, Kokosnüssen, Thierhörnern u. A., welcheman schliesslich kaum noch auch nur als Schaustücke begehrte.

Als Gefässezum Trinken und Giessen erhielten sich die (Deckel-)Krüge vorzugsweise in Gebrauch (S. 874). Die irdenen Krüge haupt-sächlich wurden in Deutschland , den Niederlanden und der Schweiz , nuneigens als Trinkgeschirre, ganz allgemein. Ausgenommen, dass währenddes ersten Viertels des Jahrhunderts mit mehren absonderlichen Formendie weissen schlanken Krüge (Fig. 326 b ; Fig. 327 b) allmälig ver-schwanden, änderte sich auch in ihrer Beschaffenheit, abgesehen voneiner dem zeitläufigen Geschmack entsprechenden Wandlung im Zierrath,nur wenig (S. 1104 ff.). So bis in den Anfang der sechsziger Jahre. Vonda an begann ihre Ausstattung durch erhobene Bildnereien stark abzu-nehmen. Sie wurden, zugleich unter steter Verminderung ihres innerenWerths bis zur Verunzierung, theils immer flacher behandelt, anderntheilsaber in rasch zunehmendem Maasse durch bloss eingeritzte Zierrathenvon zumeist ganz roher Fassung ersetzt. In solcher Weise verkümmernd,gelangten dann neben ihnen, etwa seit der Mitte der siebenziger Jahre,überhaupt einfachere Krüge von glasirtem Steingut zu weit überwiegenderGeltung. Sie waren fast ausschliesslich rundbauchig mit kurzem Fussund Hals oder durchaus Humpen-förmig, im ersteren Falle nicht seltenspiralförmig geriffelt, sonst aber bisweilen, bei weisser Glasur, vornäm-lich die Humpen, stellen weis leichthin bunt gemalt.

Die eigentlichen Giessgeschirre bewahrten im Ganzen auch fernerdie Formen von Kannen und mehr eiförmigen Behältern mit Ausguss,Henkel und Fussgestell (S. 872). Seit den fünfziger Jahren indessen tratfür sie ausserdem eine Gestaltung auf, zum Theil ganz ähnlich der,welcher sich die Mehrzahl der irdenen (Deckel-) Krüge entfaltet hatte(Fig. 385 b ; vergl. Fig. 327 o b). Durch ihren Zweck fester gebunden,und sich gerade fortan durch Vermeidung von Dem widersprechenderDurchbildung (S. 1131) darauf enger begrenzend, Hessen sie eine wechsel-vollere Abschwankung der Grundform nicht wohl mehr zu. Um so freieraber bewegten sie sich nun im Zierrath. In diesem Punkte der Ge-schmacksrichtung vollauf Rechnung tragend, wetteiferten sie in Einzcl-gestaltungen, die denn bald jedes feinere Maass überstiegen, und so sichauch mehrentheils, wie insbesondere während des Uebergangs aus demBarockstyl« i nsRococo, bis zu seltsamster Willkiihr verloren (vergl-ig. 885 a b). Zwei Kannen von seltnerer Beschaffenheit, noch aus