B. Geräth. Hausger. Tafelgescli. Gebr. d. Gabeln; Schauessen (1600—1700). 1137
u. dgl., für Salate, Eingemachtes, Zuckerwerk u. A. — Das Salzfassblieb, fortan vorwiegend (zugleich für den Pfeffer) als Doppelgefäss, nochimmer nach Stoff und Behandlung ein Gegenstand besonderen Auf-wands.
Der Gebrauch der Gabeln bei Tische griff stetig weiter um sich,dergestalt dass derselbe mindestens unter den höheren und gebildeterenStänden schon bald nach der Mitte des Jahrhunderts als durchaus an-standsmässig galt, ausgenommen in Spanien und den scandinavi-schen Ländern, wo sich selbst diese Stände noch nach dieser Zeit nursehr langsam dazu verstanden (vergl. S. 884). Die mittleren und nie-dereren Klassen indessen, so wie auch die ländliche Bevölkerung, ver-mochten sich nicht daran zu gewöhnen, und auch in dem sonst so leicht-lebigen Frankreich blieb dieser Gebrauch noch bis zum Schluss desZeitraums so wenig volksthiimlich, dass er dort bis dahin in vielenKlöstern geradezu als eine „fremdländische“ Ueppigkeit untersagt werdenkonnte. Wo sich, wie in jenen Kreisen, der Gebrauch verallgemeinerte,bewahrte auch die Gabel an sich das Gepräge eines Ziergeräths. Soaber ward es auch sehr beliebt das Heft, mit Beibehalt der zweizinkigenKlinge, ausser in den dafür seit länger verwendeten Stoffen (Silber,Elfenbein u. dergl.), aus venetianischem Glase, Millcfiori, und folgendsv °n emaillirtem Kupfer in „Nouailhier-Arbnit,“ sowie auch Gabeln undbessern paarweis gleichartig beschaffen zn lassen.
An „Schauessen“ zur Ausstattung der Tafel bei festlichen Ge-legenheiten fehlte es auch ferner nicht, vielmehr erhielten sie wiederummchrentheils höchst seltsame Formen, wie die von wunderlichen (barocken)l’cmpeln, Palästen, Landschaften, Figurengruppen u. s. f. Dauernddaran festhaltend, dass sie der Hauptsache nach aus wohl zubercitetenSpeisen beständen (S. 885), fertigte man sie nicht nur, wie seither zu-meist, aus Kuchengebäck, sondern häufiger von unterschiedlich behan-deltem Fleisch, Fett und Fleischgallerte, wobei in den achtziger Jahrender bloss ausgeschmückte Wildschweinskopf seine Rolle zu spielen be-Sann; aus Kuchengebäck zugleich als Träger von allerlei Gestaltungen111 Zuckerwerk und eingemachten Früchten, anderseits vorwiegend alsE»stete. — Bei dem im Jahre 1710 in Petersburg vollzogenen lierzog-bch kurländischen Beilager waren auf den beiden vornehmsten TafelnZWe > Pasteten aufgestcllt, jede fünfviertel Ellen lang, aus denen zuhöchster Verwunderung der Gäste zwei Zwerginnen hervorkamen, welcheai *f der Brauttafel eine Menuette tanzten. 1 —
Die Möbel unterlagen, soweit sie sich ihrer Durchbildung nachNoch überwiegend den Wandlungen der baulichen Form anschlossen, so-
' A. Berlepsch. Chronik vom ehrbaren Bäckergewerk. S. 179.