B. Geräth. Hausger. Zimmer-Möbel: Sitze u. s. w. (1600—1700). 1139
verlor sich bereits in den ersten drei Jahrzehnd die Vorliebe für Einsätzevon eigens ausgeführten Gemälden (S. 885), während dann seit denachtziger Jahren, neben der Verbreitung der „Boule-Arbeit“ an kleinerenSdfhmuckgeräthen, wie Tischen, Schränken, Truhen, Uhrgehäusen u. A.(S. 1120), insbesondere für einzelne Möbel, wie Stühle, Sopha -artige Ge-stelle, grössere Tische u. s. f., gleichsam als Scheinersatz für Gold, ledig-lich Vergoldung auf Holz, stellenweise oder durchweg, allgemeiner inAufnahme kam.
Bei Fortgestaltung der Sitze sprach vor allem der Umstand mit,dass es immer gebräuchlicher ward sie, statt nur mit Decken oder Kissenzu belegen, mit Stoff zu beschlagen und zu polstern (S. 887). Erhieltenallerdings auch ferner nicht alle Sitze eine derartige Ausstattung, wurdesolche doch bald nicht mehr allein für „Ehrensessel“ und ähnliche, mehr-sitzige Gestühle, sondern für die zu gesellschaftlichem Verkehr bestimmtenGesässe überhaupt nun geradezu als dem höheren Wohlanstande gemässgefordert. So selbst noch früher wie in Frankreich in Spanien , wogleich seit dem Jahre 1600 mehre Verordnungen einander folgten, welchehei wiederholten Verboten der „Tapeten von Brokat^ von gold- odersilberverzierten Stoffen,“ die Verwendung „von Brokaten, so wie auchvon Atlas und anderen mit Gold und Silber geschmückten Geweben,“ausser für „Vorhänge, Himmelbetten, Baldachine und Tischdecken,“ auchfür die „Kissen der erhöhten gepolsterten Sitze ( estados ) der Besuchs-zimmer“ gestatteten. — Als Grundform erhielt sich die Gliederung imfechten Winkel bis in die fünfziger Jahre fast allgemein. Am längsten,•nehrentheils weit darüber hinaus, setzte sie sich, zugleich mit vor-liegender Schnitzerei, an den bloss hölzernen, ungepolsterten oder doch°ur mit Binsen-, Stroh- oder Rohrgeflecht bezogenen Gesässen fort; seitjener Zeit aber überhaupt nicht mehr ohne besondere Hinneigung zurgeschwungenen Linie. Letztere entfaltete sich, abgesehen vom Einzel-Herrath, vor allem an den Armlehnen aus der dafür bereits üblichenBiegung ( Fig. 386 a; vergl. Fig. 334 b). Von da aus erstreckte sies *ch, doch kaum schon vor den sechsziger Jahren, auf die Umfassungder Rückenlehne und, nachdem sie an dieser eine festere Durchbildungerlangt hatte, in den siebenziger Jahren auch auf die Füsse, jedoch^Uch bis dahin noch in einer eigenen Gebundenheit, welche dem Ganzen•öimerhin ein gewisses Gepräge von Steifheit bewahrte. Seit dem Endedßr siebenziger Jahre indessen brach die geschwungene Linie völligdurch. Sich fortan auch auf die Umrahmung der Sitzplatte ausdehnend,^ard für die Gesammtfassung nicht nur des Gestells, sondern auch der■^ufpolsterung ausschliesslich sie maassgebend (Fig. 386 b). Bei allen-dem nahmen die Polsterungen selber an Umfang zu. Anfänglich meistnur die Sitzplatte, auch wesentlich nur deren inneren Raum bedeckend,