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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

derung wesentlich im rechten Winkel als durchweg geradlinig erhal-tend , trat daneben die geschwungene Linie kaum schon vor denachtziger Jahren und auch dann vorerst fast lediglich an bloss verzieren-den Ansatzstücken und schmalen Auf- und Untersätzen merklicher hervor. Auch mit denTruhen undLaden verhielt es sich einerseitsganz ähnlich, während allerdings anderseits, eben soweit dafür eineschwungvollere Profilirung bereits in Anwendung war (S. 892) sichgerade an ihnen auch die geschwungene Linie, nun zugleich im Sinnedes zeitläufigen Geschmacks, noch um so entschiedener entfaltete. Da-neben erschienen im späteren Verlauf der zweiten Hälfte des Jahrhun-derts, zu gleichem Zwecke, gewissermassen als Nachbildung von sonstnur im Kleinen beschafften Schränkchen, grössere Behälter mit einem oderauch zwei Schiebekästchen von durchgehender Länge. Sie, als Vorläuferder (später) sogenannten Commoden , seit den neunziger Jahren dieTruhen, mindestens aus den Wohn räumen verdrängend, wurden mehren-tlieils von vornherein, bei mannigfach reicher Ausstattung durch Beschlägeu. dergl. im Ganzen, vorzüglich aber vorderseits (grundrisslich) in leichterSchwingung behandelt, und gemeiniglich mit vier verhältnissmässig hohengeraden oder ebenfalls leicht gebogenen Füssen versehen.

Mit derToilette blieb es beim Alten (S. 895). Noch bis überden Schluss des Jahrhunderts verstand man darunter nur einNacht-Tuch, eben zu dieser Zeit 1ein Tuch von reiner Leinwand, worin dasFrauenzimmer ihre Nachtkleider zu schlagen pfleget. Doch kam in 1letzten Jahrzehend, auch zur Verwahrung von Toiletten-Ger'äthenschon ein eigenes zierliches Möbel in Gebrauch, bestehend in einemtischartigeii Schrank mit schmalen Ausziehkästchen nebst darauf ruhendemSpiegel, folgcnds häufiger mit darüber meist zeltförmig angeordnetemStoff, Seide, Weisszeug u. s. f.

Das Bett nahm einstweilen, auch in seiner Eigenschaft als Pracht-lind Himmelbette (S. 895), fast lediglich an der Fortgestaltung der Ver-zierungsformen als solcher Theil. Es währte dies im Allgemeinen, n uretwa seit den vierziger Jahren unter gelegentlicher Erweiterung seinerAusstattung durch gewebte Stoffe, bis gegen Ende der sechsziger Jahre.Von da an aber steigerte sich solche Ausstattung in Kurzem nahe biszur Ausschliesslichkeit. Während, wie eben seit diesem Zeitpunkt, anden Sitzen die Polsterungen und Bezüge in zunehmender Verbreiterungdas Holzwerk immer mehr beschränkten, ward das Bett sogar zu einemGegenstände einer blossen Stoffverkleidung. Schon bald nach Beginnder achtziger Jahre erhielt die eigentliche Bettstatt die Durchbildungeines gänzlich lehnlosen, durchaus mit Stoff überzogenen, viereckig en

1 Amaranthes. Nutzbares, galantes und ouriöses Frauenzimmer-Lexiconete. S. 2028.