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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

Abgesehen von den Feuerungsgeräthen (S. 900), welche min-destens da, wo (gegenüber der Ofenheizung) die Kaminheizung fortdauerte,auch noch immer als Zimmergeräthe eine dementsprechend schmuckvollereBehandlung erfuhren, blieb die Zahl von allerlei Kleingeräthen, wiesolche theils die häuslichen Beschäftigungen mit sich brachten, in steterZunahme begriffen, während überdies Alles, was in der Hinsicht an ver-schiedenen Schränkchen, Kästchen, Büchschen, Schachteln, Bestecken,Sehreibzeugen u. s. f. bereits bestand, nun ebenfalls anderen, wenn auchden gleichen Zwecken gewidmeten, doch in den neuen Formen durchge-bildeten Geräthen weichen musste.

Für die Gestaltung der kirchlichen Geräthschaften behauptete sichdie Form des weltlichen Geräths nicht mehr bloss als maassgebend (S.885), vielmehr ward für den bei weitem grössten Theil derselben geradezuentscheidend, so dass ein Unterschied zwischen beiden, ausser in der reinzwecklichen Fassung, wie solche allerdings der Altar, Chorstuhl, Beicht-stuhl, die Monstranze u. A. je eigens verlangte, kaum noch, auch imZierrathe selbst dem Inhalte nach, besonders merklich hervortrat.

Die Spielgeräthe unterlagen kaum einer weiteren Wandlung alsrücksichtlich der verzierenden Ausstattung, sofern sie eben fortfuhrendarin der Geschmacksrichtung stetig Rechnung zu tragen. Neben denWürfel-, Kegel- und Kugelspielen, die ihrer bedingten Beschaffen-heit nach auch davon nur wenig berührt werden konnten, fand vor allemdasBillard zunehmende Verbreitung; vorerst noch freilich, ausser inItalien , nur in Frankreich , wo es bis gegen die Mitte des Jahr-hunderts, nicht ohne einige Vermannigfachung seiner Spielweisen, vonden höheren Ständen auch schon auf die mittleren begüterteren Klassenüberging. Nichtsdestoweniger erhielt es sich bei jenen Ständen in stei-gender Gunst. - Der Umstand dass Ludwig XIV . es mit besondererVorliebe spielte, trug denn überdies dazu bei es kräftigst, zugleich alsnoble jeu/ zu fördern. Demnach aber blieb es auch nicht mehr aufFrankreich beschränkt. Von demgrossen Könige einmal dergestaltgewürdigt, beeiferten sich alsbald seine fürstlichen Nachahmer es auchbei sich einzuführen, worauf es dann von ihren Hofen in nicht lange 1Frist seinen Weg nahezu überall durch die vornehmen Kreise hindurchbis zur Verallgemeinerung antrat. Bei den Spielkarten waren cswie vor wesentlich nur deren Zeichen und Figuren, was einer Veränderungunterworfen blieb. Gegenüber den fortdauernden Verboten des Karten-spielens an sich, wurde ihre Verfertigung von den Behörden überhauptmehr nur als ein Nebenzweig der Papiermacher undBriefmaler g e '